Schuldspruch in umstrittenem Prozess gegen toten Magnitski

11. Juli 2013, 10:47
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Dem Anwalt wurde Steuerbetrug vorgeworfen. Er starb 2009 in Haft, nun wurde er posthum verurteilt

Moskau - Ein russisches Gericht hat den 2009 in Haft gestorbenen Anwalt Sergej Magnitski posthum wegen Steuerbetrugs schuldig gesprochen. Das meldete die Agentur Interfax am Donnerstag aus dem Gerichtssaal in Moskau. Da er bereits verstorben ist, wird gegen ihn jedoch kein Strafmaß verhängt.

Magnitskis früherer Chef William Browder wurde in Abwesenheit zu neun Jahren Lagerhaft verurteilt. Das Gericht befand den gebürtigen US-Amerikaner mit britischer Staatsangehörigkeit am Donnerstag der Steuerhinterziehung in großem Ausmaß für schuldig. 

Korruptionsskandal aufgedeckt

Magnitski hatte in Russland für die US-Anwaltsfirma Firestone Duncan und für Browders Invetmentfonds Hermitage Capital gearbeitet. 2008 wurde er wegen angeblicher Steuervergehen festgenommen, nachdem er einen Korruptionsskandal staatlicher Stellen aufgedeckt hatte. Magnitski starb im November 2009 im Alter von 37 Jahren in einem Moskauer Gefängnis. Offenbar wurde er von russischen Beamten misshandelt. Im März dieses Jahres stellte die russische Justiz ihre Ermittlungen zum Tod des Anwalts ergebnislos ein.

Magnitskis Schicksal hatte den US-Kongress im vergangenen Dezember zu Sanktionen gegen russische Funktionäre veranlasst, die für den Tod des Juristen verantwortlich sein sollen. Das russische Parlament beschloss als Reaktion darauf ein Gesetz zum Verbot von Adoptionen russischer Kinder durch US-Bürger.

Kritik: Absurdes Verfahren

Das Strafverfahren war international als absurd kritisiert worden, weil sich ein Toter nicht verteidigen könne. Menschenrechtsaktivisten werfen der Justiz vor, damit den Ruf des regierungskritischen Anwalts nachträglich beschmutzen zu wollen. (APA, 11.7.2013)

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    Anwalt Sergej Magnitski wurde nach seinem Tod schuldig gesprochen.

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