Kinder im Flugzeug sind schlimmer als Betrunkene

17. Juli 2013, 16:56
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Viele würden sie gerne in den Frachtraum stecken. Den Kindern, die keine Wahl haben, hilft die Aggression gegen sie wenig

Schweißnasse Eltern, verärgerte Sitznachbarn, gestresste Flugbegleiter und nicht zuletzt die Kinder selber, mit Ohrenschmerzen, tödlich gelangweilt und übermüdet. Immer wieder werden Rufe laut, man möge doch die kleinen Passagiere aus den Flugzeugen draußen halten, mancher wünscht sich ein eigenes Familienabteil und einige würden Kinder überhaupt am liebsten im Frachtraum untergebracht sehen. Einige Airlines haben auf die eher negative Stimmung reagiert und Kinder zumindest aus der ersten Klasse verbannt.

Anti-Kinder-Aufschlag?

Umfragen zeigen immer wieder, dass Kinder im Flugzeug für Passagiere schlimmer sind als Betrunkene, eine unfreundliche Crew oder Sitznachbarn mit Sprechdurchfall. Einige Reisende würden sogar Aufzahlungen in Kauf nehmen, nur um sich mit den kleinen Fluggästen die Maschine nicht teilen zu müssen.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie können weder im Urlaub allein zuhause zurück gelassen, noch stundenlang in einem Flugzeugsitz fest gezurrt und zum Stillsitzen verdonnert werden. Kinder sind aber auch keine Terrormonster, die wie wild gewordene Bestien ein ganzes Flugzeug in Atem halten, vorausgesetzt, man fliegt kindgerecht. Die Lufthansa versucht in Frankfurt mit einem eigenen Familien-Check-In Kinder bei Laune zu halten indem der Schalter für Kinder aufregend gestaltet wurde und es einen eigenen Boarding-Pass für das Stofftier gibt. Verzweifelte Eltern verteilen im Flieger "Bestechungsgeschenke" mit Ohropax, Traubenzucker und einer flehende Bitte um Verständnis für die Unannehmlichkeiten. In Foren findet man unzählige Tipps und Ratschläge, wie das Fliegen mit Kindern problemloser über die Bühne geht. Trotzdem sind Eltern nie vor den Ohrenschmerzen, Verdauungsstörungen und der unglaublichen Langeweile sicher, die das Fliegen für Kinder zum Horrortrip machen. 

Kinder können in der Regel nicht darüber entscheiden, ob sie fliegen wollen oder nicht. Eltern, Flugbegleiter und Mitreisende können das Fliegen für sie aber unterhaltsam, interessant und stressfreier machen – davon profitieren letztlich alle. (Mirjam Harmtodt, derStandard.at, 17.7.2013)

  • Kinder haben keine Wahl beim Fliegen. Wir sollten sie also zumindest bei Laune halten.

    Kinder haben keine Wahl beim Fliegen. Wir sollten sie also zumindest bei Laune halten.

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