Zwei UN-Vertreter sollen mit Syrien über Chemiewaffen reden

11. Juli 2013, 07:57
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Ein Wissenschafter und eine Diplomatin reisen nach Damaskus und beraten dort mit dem Assad-Regime über die Entsendung weiterer UN-Experten

Damaskus - Zwei ranghohe UN-Verantwortliche werden voraussichtlich nach Damaskus reisen, um mit der syrischen Führung über den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen zu sprechen. Ein Sprecher der Vereinten Nationen sagte am Mittwoch, der schwedische Wissenschaftler Ake Sellström und die Hohe Repräsentantin für Abrüstungsfragen, die Deutsche Angela Kane, hätten eine Einladung der syrischen Regierung angenommen.

Sie wollten nach Damaskus reisen, um dort über Bedingungen für eine Entsendung von UN-Experten in das Bürgerkriegsland zu beraten. Die UNO will die sowohl von der Regierung als auch von den Rebellen erhobenen Vorwürfe überprüfen, die andere Seite setze Chemiewaffen ein. Die syrische Führung lehnt es bisher jedoch ab, dass Vorwürfe gegen die syrischen Regierungstruppen überprüft werden.

Gegenseitige Vorwürfe des Einsatzes von Chemiewaffen

Syrien verlangt, die UN-Kontrolleure sollten sich auf einen Vorfall im März in Khan al-Assal in der Nähe von Aleppo konzentrieren, wo die Rebellen nach Darstellung der syrischen Führung und des russischen UN-Botschafters Witali Tschurkin Nervengas einsetzten. Frankreich und Großbritannien werfen den syrischen Regierungstruppen hingegen vor, im Dezember 2012 in Khan al-Assal sowie in Homs Chemiewaffen eingesetzt zu haben.

Freier Zugang gefordert

Die UNO fordert einen freien Zugang zu den betroffenen Regionen, um Zeugenaussagen und Beweismittel sammeln zu können. Der syrische UN-Botschafter Bashar Jaafari erklärte jedoch im Zusammenhang mit der jetzt ergangenen Einladung, seine Regierung habe ihre Ansicht über den Umfang und das Ziel einer UN-Mission nicht geändert.

Russland: Beweise für Chemiewaffen-Einsatz der Rebellen

Russlands UN-Botschafter Tschurkin hat den Vereinten Nationen nach eigenen Angaben Beweise für die Verwendung des Nervengases Sarin durch syrische Rebellen übergeben. Russische Experten seien nach dem Rebellenangriff auf Khan al-Assal am 19. März an Ort und Stelle gewesen und hätten Belege aus erster Hand zusammengetragen, sagte Tschurkin am Dienstag in New York. Die USA reagierten äußerst skeptisch auf die Vorwürfe.

Nach russischen Angaben töteten die Aufständischen bei ihrem Angriff 26 Menschen mit einer Rakete vom Typ Bashar 3, darunter 16 Regierungssoldaten. "Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen klar, dass das in Khan al-Assal benutzte Projektil nicht industriell hergestellt wurde und mit Sarin gefüllt war", sagte Tschurkin.

USA wollen Beweise sehen

Über die Erkenntnisse will Russland auch die westlichen Vetomächte im UN-Sicherheitsrat - USA, Frankreich und Großbritannien - unterrichten. Diese haben ihrerseits die syrische Armee beschuldigt, mehrmals Chemiewaffen gegen die Rebellen eingesetzt zu haben.

"Wir müssen erst noch Beweise sehen, die die Behauptung decken, dass irgendjemand anderes als die syrische Regierung in der Lage ist, Chemiewaffen einzusetzen oder dies getan hat", sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney. Er rief den syrischen Staatschef Bashar al-Assad auf, eine von UN-Experten geführte Untersuchung der Vorwürfe zuzulassen. (APA, 11.7.2013)

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