Hauszustellung: Lebensmittelketten lassen Kleinen online den Vortritt

11. Juli 2013, 07:50
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Große Supermärkte geben dem Onlinehandel mit Lebensmitteln wenig Gewicht. Zu hürdenreich ist die Zustellung, zu preissensibel der Kunde.

19.30 Uhr im Supermarkt: halb leere Regale im Frischesortiment, Angestellte, die Feierabend machen wollen, und eine Schlange an der Kasse. Wäre es da nicht komfortabler, den Einkauf mit ein paar Mausklicks von zu Hause aus zu erledigen? Was sich bei Bioprodukten mit dem "Biokistl" schon vor Jahren etablierte, hat in Österreichs Supermärkte bisher kaum Einzug gehalten.

Gesondert beworben werden die Web-Shops nicht

Billa und Merkur etwa bieten ihre Produkte auch online an. Das Geschäft laufe gut, der Umsatz mache jedoch nur einen sehr kleinen Teil des Gesamtgeschäfts aus, sagt Ines Schurin, Pressesprecherin bei Rewe International. Gesondert beworben werden die Web-Shops nicht. Stationärer und Onlinehandel sollen nebeneinander bestehen. Kompliziert macht den Internetverkauf vor allem die Lieferung, zu hoch ist das Risiko, dass die Lebensmittel verderben.

Nicole Berkmann, Sprecherin von Spar Österreich, sieht das ähnlich. Zum einen müsse die Frische der Produkte garantiert werden, zum anderen zahle sich der hohe Aufwand am ehesten in Ballungsräumen wie Wien aus. Außerhalb werde die Zustellung zu teuer, da gerade bei Lebensmitteln die Preisempfindlichkeit sehr hoch sei. Die Zusatzkosten für die Lieferungen seien für viele Kunden eine Hemmschwelle. Spar hat den Onlinehandel mit Lebensmitteln in Wien getestet, bisher gibt es bis auf jenen für Wein allerdings keine Internetshops. Den Onlineriesen Amazon, der mittlerweile auch Lebensmittel anbietet, will die Branche nicht als direkten Rivalen wahrnehmen.

"Kochboxen

Nach den Biokisten, die regelmäßig Haushaltsmengen, vor allem an Obst und Gemüse, liefern, kommen nun die "Kochboxen". Das Konzept, bei dem Pakete mit Rezepten inklusive Zutaten auf Bestellung geliefert werden, stammt ursprünglich aus Schweden und ist in Österreich noch recht jung. Wie bei den Biokisten werben auch Anbieter von KochAbo bis zu HelloFresh mit regionalem bzw. biologischem Anbau.

Werner Wutscher, ehemals Rewe-Vorstand, nun Investor und im Beirat von KochAbo.at, sieht die Zukunft im Onlinehandel. Ihn überrasche, dass die österreichischen Händler lieber in den Ausbau ihrer Filialnetze investieren, sagt er. Neben Österreich sei das KochAbo, das in der Hand von 13 Gesellschaftern ist, mittlerweile auch in Deutschland, der Schweiz und der Slowakei aktiv. Wutscher zitiert Studien, wonach die Österreicher bei Onlinegeschäften konservativ agierten. Vorbehalte gebe es vor allem beim Kauf von Medikamenten und Lebensmitteln. In Tokio sei Hauszustellung jedoch längst gang und gäbe - aufgrund der Überalterung der Gesellschaft. Hier ziehe auch Europa nach. (Greta Sparer, DER STANDARD, 11.7. 2013)

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