Marie Trintignant in Paris beerdigt

8. August 2003, 12:57
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Große öffentliche Anteilnahme - Prominenz unter den Trauergästen - Proteste gegen Gewalt in der Ehe - Auslieferung Cantats ungewiss

Paris - Hunderte Fans, Prominente, Schauspieler und Künstler haben auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise Abschied von der Schauspielerin Marie Trintignant genommen. Die 41-Jährige war am Freitag an einem Gehirnödem gestorben, das sie bei einem gewalttätigen Streit mit ihrem Gefährten Bertrand Cantat in Litauen erlitten hatte. Zu den Trauergästen gehörten am Mittwoch die Schauspielerinnen Catherine Deneuve und Jane Birkin, Lambert Wilson sowie einer der engen Freunde der Familie, der Schriftsteller Jorge Semprun. Marie Trintignant ruht nicht weit von dem Grab des Sängers Gilbert Bécaud.

Die Trauergäste erschienen auf Wunsch der Familie in heller Sommerkleidung. Maries Vater, der Schauspieler Jean-Louis Trintignant, und ihre Mutter Nadine folgten dem Trauerwagen Hand in Hand. Mit tränenerstickter Stimme verlas der Vater seine Botschaft: "Trauere nicht um den Verlust, freue Dich, sie gekannt zu haben." Ebenfalls anwesende Mitglieder einer Feministen-Vereinigung trugen als Symbol ihres Protestes gegen Gewalt in der Ehe weiße Bänder. Jede Woche sterben in Frankreich zwei Frauen an den Folgen der Gewalttätigkeit ihrer Männer, wie sie sagten.

Am Vormittag waren Regisseure wie Patrice Chéreau, Claude Lelouch und Agnès Varda sowie Kultusminister Jean-Jacques Aillagon und Ex- Premierminister Lionel Jospin zu einer Hommage an die Verstorbene in das Theater Édouard VII gekommen. Gitarren- und Akkordeon-Klänge begleiteten die Feier in geschlossener Gesellschaft. "Ich habe Dich gekannt von Deiner Geburt bis zu Deinem Tod. Meine Liebe und das Andenken an Dich werden immer lebendig bleiben", sagte Semprun.

Im Saal hing ein überlebensgroßes Poster mit einer Aufnahme Maries von den Dreharbeiten zu ihrem letzten Fernsehfilm "Colette" in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Der Film über das Leben der Schriftstellerin wurde von ihrer Mutter geleitet und stand beim Tod der Schauspielerin kurz vor der Vollendung.

Auslieferung Bertrand Cantats ungewiss

Die litauischen Behörden haben Frankreich wissen lassen, dass der Auslieferung von Bertrand Cantat juristische Hürden im Wege stünden. In einer Aussendung teilte das Pariser Justizministerium mit, dass die beigebrachten Akten gegenwärtig überprüft werden.

Vilnius gab laut französischem Außenministerium insbesondere zu bedenken, dass ein Völkerrechtsvertrag aus dem Jahre 1972, den Frankreich nicht unterzeichnet hat, die Auslieferung von Personen verbiete, die in Litauen Bluttaten begangen haben. Cantat befindet sich mit der Anschuldigung in Untersuchungshaft, Marie Trintignant in der Nacht auf den 27. Juli tödliche Kopfverletzungen zugefügt zu haben.

Sollte der mit den Ermittlungen beauftragte Untersuchungsrichter Cantat bei einer am 14. August anberaumten Vorverhandlung wegen Mordes unter Anklage stellen, dann würde der genannte Völkerrechtsvertrag zur Anwendung kommen. Vilnius hatte stets Vorbehalte in Bezug auf eine Auslieferung geäußert, während ihr der 39-jährige Sänger, Chef der Rockgruppe "Noir Desir" nach Angaben seiner Anwälte zugestimmt hatte.

Überdies haben die litauischen Behörden der französischen Kriminalpolizei immer noch nicht die Erlaubnis gegeben, sich nach Vilnius zu begeben, um dort eigene Ermittlungen durchzuführen. In Frankreich wird gegen Cantat infolge einer Strafanzeige der Familie Trintignant wegen Totschlags ermittelt. Solange die französischen Behörden nicht selber ermitteln dürfen, kann die mit den Ermittlungen beauftragte Pariser Untersuchungsrichterin Nathalie Turquet auch keinen Haftbefehl ausstellen, hieß es von Seiten der Justizbehörden weiter.

Aus Pariser Gerichtskreisen verlautete unterdessen, dass bislang keine Indizien dafür vorlägen, dass Bertrand Cantat die Absicht gehabt hätte, Marie Trintignant zu töten. Nach bisherigen Erkenntnissen habe er seine Freundin im Zuge eines heftigen Streits verletzt. Ein erster Autopsiebericht hat das Vorhandensein dieser Verletzungen zwar bestätigt, allerdings könne man sie noch nicht mit Gewissheit als Todesursache bezeichnen, betonte die Parser Staatsanwaltschaft. (APA/dpa)

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    Marie Trintignant in "Betty" (1992)

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    Abschied auf dem Père Lachaise

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