Israels Botschafter kehrt zurück

4. August 2003, 06:55
113 Postings

Nach dreieinhalb Jahren Absenz - Shalom und Ferrero-Waldner vereinbaren "Normalisierung" der bilateralen Beziehungen

Für Außenministerin Benita Ferrero-Waldner wurde in Israel der rote Teppich ausgerollt: Medien hofierten sie als künftige Bundespräsidentin, sie wurde von Präsident Moshe Katzav empfangen. Und Wien bekommt wieder einen israelischen Botschafter.

***

Benita Ferrero-Waldner bekam zur Begrüßung am Dienstagvormittag von Mitarbeitern des israelischen Außenministeriums auf dem Ben-Gurion- Flughafen einen Handkuss und Blumen. Dann ging es in einer schwarzen Stretch-Limousine nach Jerusalem, wo Ferrero-Waldner die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchte.

Nach einem Arbeitsessen gaben Ferrero-Waldner und ihr israelischer Amtskollege Silvan Shalom eine Pressekonferenz. Die Außenministerin legte ein Bekenntnis zu Österreichs Verantwortung für den Holocaust ab. Dies gelte auch, "wenn es unsere Eltern, Großeltern, Freunde oder Bekannte waren". Ferrero-Waldner betonte: "Österreich akzeptiert die Verantwortung, die sich aus der tragischen Geschichte des 20. Jahrhunderts und den horrenden Verbrechen des NS-Regimes ergibt." Gleichzeitig bat sie die israelische Regierung, "Österreich nach dem Auftritt in den vergangenen Jahren zu bewerten und Vertrauen in die Stärke der Demokratie zu haben".

Israels Außenminister sprach dagegen mehrfach von einem Auf und Ab der Beziehungen in den vergangenen Jahren, erwähnte aber die FPÖ mit keinem Wort. Shalom sagte, über die letzten drei Jahre – seit dem Regierungseintritt der FPÖ – sei die Entwicklung in Österreich beobachtet worden. "Während dieser Periode hat Österreich wichtige Anstrengungen unternommen, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen und seine Verantwortung gegenüber den Holocaust-Opfern anzuerkennen." Er hob die Abkommen für Restitution und für Entschädigung von Zwangsarbeitern hervor. "Mehr noch, die österreichische Regierung unter der Führung von Kanzler Schüssel hat ihre Bereitschaft ausgedrückt, die Lektionen des Holocaust zu lernen und an die junge Generation weiterzugeben."

Der Minister betonte, "Österreich habe in den vergangenen dreieinhalb Jahren eine faire und ausgeglichene Politik gegenüber Israel vertreten." Israel habe deshalb entschieden, ein "neues Kapitel in den bilateralen Beziehungen zu eröffnen" und "die vollen diplomatischen Beziehungen zu Österreich wieder herzustellen". Ein Botschafter ist noch nicht bestellt, der Posten wird erst ausgeschrieben.

Eine Warnung

Shalom warnte: "Israel wird fortfahren, Ereignisse in Österreich und anderswo zu verfolgen, und wird seine Politik, Politiker jeglicher Partei anzuprangern, die antisemitische Ideen oder Positionen vertreten, fortsetzen" – ein klarer Fingerzeig in Richtung FPÖ.

Ferrero-Waldner zeigte sich im Gespräch mit dem Standard zufrieden. "Jetzt sind auch die letzten Sanktionen gegen Österreich beendet." Für sie war es "ein guter Tag für Österreich und Israel". (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 30.7.2003)

Alexandra Föderl-Schmid aus Jerusalem

Chronologie der Beziehungen Österreich-Israel

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Österreichs Aussenministerin Benita Ferrero-Waldner mit ihrem israelischen Kollegen Silvan Shalom

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ferrero-Waldner und der österreichische Botschafter in Israel, Kurt Hengl, bei der Kranzniederlegung in der Gedaechtnishalle von Yad Vashem

Share if you care.