Werkzeug für die Elektrozukunft

3. August 2003, 20:08
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Plattform "Recycling-Pass" soll die Umsetzung von EU-Richtlinien erleichtern

Hersteller von Elektro- und Elektronikgeräten müssen sich rasch umstellen: Ab 2005 sind sie aufgrund zweier EU-Richtlinien verpflichtet, ihre Altgeräte von Endverbrauchern und Händlern zurückzunehmen. Sie müssen die Entsorgung ihrer alten Handys, Fotoapparate, TV-Geräte oder Kühlschränke finanzieren. Und sie müssen eine Recyclingquote von mindestens vier Kilogramm getrennt gesammelten Altgeräten aus privaten Haushalten pro Einwohner und Jahr vorweisen. Der Nachweis sei schwierig zu erbringen, heißt es.

Damit aber wirklich nachhaltig die Belastung der Umwelt durch Giftstoffe in diesen Altgeräten geringer wird, soll auch die Verwendung von Quecksilber oder Blei drastisch beschränkt werden. Es erscheint also sinnvoll, das spätere Recycling schon bei der Produktentwicklung miteinzubeziehen, meint man beim Braunschweiger Beratungunternehmen LCE Consulting, das sich dem Thema Lebenszyklus derartiger Geräte (Life Cycle Engineering) widmet. Aus diesem Grund wurde eine Software mit dem klingenden Namen ATROID (Assessment Tool for Oriented Design) entwickelt. Sie bietet dem Hersteller schon bei der Entwicklung eines neuen Produkts Informationen für Demontage und Recycling. Das Potenzial wird mengen- und kostenmäßig berechnet. Eventuelle Verbesserungsmöglichkeiten werden ebenso aufgezeigt.

Infos über Stoffe

Da Hersteller und Importeure auch Recyclingunternehmen über ihre Produkte informieren müssen, hat LCE Consulting eine Internetplattform errichtet (www.recyclingpass.net), die nun im Bereich Elektro(nik)produkte mit dem Wiener Kompetenzentrum KERP weiterentwickelt und an die Gegebenheiten in Österreich angepasst wird. Relevante Informationen über die im Gerät verwendeten Stoffe werden hier bereitgestellt. Schadstoffe, Störstoffe und wiederverwertbare Materialen werden ausgewiesen. Der Nachweis der Recyclingquote wird maßgeblich erleichtert. Unternehmen, die bereits befürchten, dass sie über diese Plattform Interna über die Produktentwicklung veröffentlichen, also der Konkurrenz preisgeben müssen, werden von LCE Consulting beruhigt: Hier werden keine Detailinformationen über die spezifischen Produkte angeführt.

Carsten Eichert, Geschäftsführer der Braunschweiger Consulter, gibt sich keinen Illusionen hin, was die Umweltfreundlichkeit der Hersteller betrifft. "Ohne rechtlichen Druck seitens der EU würde da gar nichts passieren", meint er und zeigt dafür auch Verständnis. "Solange ich mit meinem Auto nicht zur technischen Prüfung beim TÜV fahren muss, werde ich es nicht tun, weil es einfach nur Kosten verursacht." Eichert verweist auf mehrere Softwareproduzenten aus den 90er Jahren, die sich mit der Frage Recycling von Elektro(nik)geräten schon ausgiebig beschäftigt hatten, die Weiterführung ihrer Ideen sei aber aufgrund der fehlenden Nachfrage "eingeschlafen".

Der Recycling-Pass, laut Eichert seit 1996 in Entwicklung, wurde im Herbst 2002 auf der Internationalen Fachausstellung für Ökologie, Poleko, in Polen erstmals präsentiert. Natürlich nicht ganz zufällig, denn auch die Beitrittsländer sind gezwungen, ab 2005 die EU-Richtlinien umzusetzen. (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 7. 2003)

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