Der Stoff, aus dem die Alternativen sind

3. August 2003, 20:08
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Österreich hat seine Ressourcen für erneuerbare Energie noch lange nicht ausgeschöpft - vor allem bei Holz, Wasser und Wind. Bei der Entwicklung dafür benötigter Technologien nimmt das Land eine Spitzenposition ein

Durch die exzessive Verfeuerung der fossilen Energieträger Erdöl, Kohle und Erdgas hat sich die Welt in ihren Grundfesten verändert: Der in den nächsten hundert Jahren zu erwartende globale Temperaturanstieg um bis zu 5,8 Grad, die zunehmende Intensität extremer Wetterereignisse, der drohende Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 88 Zentimeter, die Verschiebung der Winterschneedecke nach oben etc. sind mit größter Wahrscheinlichkeit Effekte eines künstlich erzeugten Treibhauseffekts, der überwiegend auf diese Art der Energienutzung zurückzuführen ist. Dazu kommt, dass die Industrienationen massiv auf Energieimporte angewiesen sind: Das Gros der leicht förderbaren Erdölvorräte liegt in Opec-Ländern, der größte Anteil davon in Saudi-Arabien. Was diese Abhängigkeit politisch bedeutet, lässt sich nicht nur am Irakkrieg ablesen.

Angesichts dieser Situation ist der konsequente Ausbau von Energiealternativen, also der effiziente Einsatz erneuerbarer Energieträger, von zwingender Logik. Bei der Entwicklung der dafür nötigen Technologie nimmt Österreich eine internationale Spitzenposition ein,. Um die reichlich vorhandenen Ökoenergieträger Wasser und Wald wird das Land von der halben Welt beneidet. Zwei Drittel der im Land erzeugten Energie kann aus erneuerbaren Quellen geschöpft werden. Ist man bereit, die anfallenden Mehrkosten für die saubere Energie zu bezahlen, könnte sich das jetzige Ökoenergieaufkommen laut österreichischer Bioenergiestrategie allein im Bereich der Biomasse noch um 80 Prozent steigern.

Eine mengenmäßige Aufgliederung der in Österreich verbrauchten Ökoenergie - das sind exakt 22,65 Prozent vom Bruttoinlandsverbrauch an Energie - macht deutlich, wo die Stärken liegen: So macht etwa mehr als die Hälfte davon (51,56 Prozent) die Wasserkraft aus, an zweiter Stelle kommen mit ca. 41 Prozent Holz und sonstige biogene Energieträger wie vor allem Hackschnitzel. 4,6 Prozent der Öko-Energie kommen von brennbaren Abfällen, rund ein Prozent liefern Solarkollektoren, 0,2 Prozent bringen Windenergie und Fotovoltaik, den Rest liefern Wärmepumpen und Geothermie.

Zehnfache Ausbeute

Da sich die verfügbaren Daten der Statistik Austria auf 2001 beziehen, sind die neuesten Entwicklungen, die sich vor allem im Bereich der Windenergie überschlagen, noch nicht berücksichtigt: "Hier hat sich die Energieausbeute in jüngster Zeit aufgrund gezielter Förderungen und technischer Weiterentwicklungen nahezu verzehnfacht", meint der Energieforscher Max Lauer von Joanneum Research. "In den nächsten Jahren könnten bis zu zehn Prozent der Ökoenergie von Windkraftwerken kommen." Dennoch: Die Zahl der Standorte für Windkraftanlagen in Österreich ist beschränkt, wodurch die Biomasse auch künftig nach dem Wasser die Poleposition unter den heimischen Ökoenergieträgern einnehmen wird. "Allein bei Holz", so Lauer, "haben wir gegenwärtig eine etwa 50-prozentige Potenzialausschöpfung. Selbst wenn viel mehr Holz entnommen wird als jetzt, haben wir kein Problem mit Nachhaltigkeit."

Der Großteil der eingesetzten Biomasse wird zurzeit zur Wärmeerzeugung verwendet, wobei auch hier noch Zuwächse möglich sind. Intensiv geforscht wird - zusätzlich angetrieben durch die gesetzliche Vorgabe, bis 2007 vier Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen zu liefern - auch an der Stromgewinnung aus Biomasse mittels Dampftechnik, Holzvergasung, ORC-Prozess und Stirling-Anlage (siehe Wissen). Die Biostromerzeugung durch Dampf wird schon jetzt vor allem in der Papier und Holz verarbeitenden Industrie eingesetzt, da hier große Mengen an Biomasse als Reststoffe anfallen. Neue Technologien sollen die mit sauberer Energie angetriebene Dampfturbine nun auch für nicht industrielle Zwecke interessant machen. Die Alternativen zum Dampfprozess befinden sich zurzeit noch in der Entwicklungsphase - welche Technologie sich letztlich durchsetzen kann, ist derzeit noch nicht abschätzbar.

In der Zwischenzeit werden weitere Initiativen gesetzt, um die österreichische Marktführerschaft in bestimmten Bereichen der Energietechnik zu festigen: Das Kplus-Zentrum Austrian Bioenergy Centre in Graz soll die wissenschaftlichen Voraussetzungen für eine effiziente thermische Nutzung fester Biomasse schaffen.

Innovationen im Bereich erneuerbare Energie, aber auch im Bereich Ecodesign sind beim Ausschreibungsverfahren ("Call") Rationelle Energienutzung Wien 2003 des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF) gefragt (Einreichfrist: 29. 9. bis 2. 10.). (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 7. 2003)

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