Qualle, Larve und Bakterium baden mit

3. August 2003, 20:08
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Nicht nur Bademeister, sondern auch Wissenschafter sorgen dafür, dass das Bad in einem Naturgewässer keine unerwünschten Folgen hat

... denn neben den hitzegeplagten Menschen finden sich allerhand mehr oder weniger gefährliche Lebewesen in den heimischen Fluten.

Wer als Erfrischungssuchender mit Anlauf ins mehr oder weniger kühle Nass springt, verschwendet meist wenig Gedanken an Mikroorganismen und Kleingetier, die sich im Badewasser tummeln. Öffentliche Stellen zerbrechen sich eher den Kopf, in regelmäßigen Abständen werden die Wasserqualität der Badegewässer überprüft und die Ergebnisse veröffentlicht.

Die Europäische Union stellt beispielsweise jährlich die Untersuchungsresultate der Mitgliedsstaaten über die abgelaufene Badesaison online. Österreich liegt dabei im EU-Schnitt, in nur knapp drei Prozent der Badegewässer in der Alpenrepublik liegt die Verschmutzung über dem Grenzwert der so genannten Badewasserrichtlinie.

Hierzulande ist das Gesundheitsministerium für die Daten zuständig. "In den Bundesländern sind verschiedene Institute mit den Messungen beauftragt, die regelmäßig durchgeführt werden müssen", erklärt Abteilungsleiterin Sylvia Füszl. Die schwankende Qualität der Seen und Flüsse (siehe Grafik) erklärt sie hauptsächlich mit meteorologischen Phänomenen. "Wenn es heftig regnet, kann es zu Verschmutzungen durch die landwirtschaftlichen Einträge kommen."

Untersucht werden verschiedene Parameter, schildert Franz Groß, Biologe am Institut für Umweltmedizin, das für die Gewässer in Wien zuständig ist. 17 "EU-Badestellen" werden alle 14 Tage kontrolliert, eruiert werden unter anderem die Werte für gesamtcoliforme Bakterien, fäkalcoliforme Bakterien, Enterokokken und Salmonellen. Derzeit wird übrigens eine neue Richtlinie ausgearbeitet.

"Ein zertifizierter Entnehmer muss pro Stelle etwa einen Liter Flüssigkeit aus 20 bis 30 Zentimeter unterhalb der Oberfläche besorgen", meint Groß. Im Labor werden die Proben analysiert, spätestens nach zwei Tagen gibt es die ersten Ergebnisse. Werden die Grenzwerte überschritten, erfolgt eine Badesperre.

Neben den Bakterien findet sich aber auch anderes im Wasser, was den Erholungswert trüben kann. Die Gabelschwanzlarven etwa. Diese auch Cercarien genannten Parasiten sind heuer aufgrund der hohen Temperaturen schon frühzeitig unterwegs. Ihr eigentlicher Endwirt sind Enten, sie können aber auch den Menschen befallen.

Quälende Larven

Die nur wenige Zehntelmillimeter großen Quälgeister können bei einer Wassertemperatur über 22 Grad auftreten. Finden sie keinen Wasservogel, durchdringen sie die Haut eines Schwimmers und sterben dort ab. Gesundheitsgefährdend sind sie zwar nicht, verursachen aber Juckreiz und kleine Entzündungen, die Badedermatitis. Da sie im Seichtwasserbereich aufgrund der höheren Temperaturen häufiger auftreten, können sie besonders plantschenden Kleinkindern den Spaß vergällen.

Eine andere Larvenart, jene der Stechmücken nämlich, sieht Biologe Groß sogar als ökologisch wertvoll an. Sie sind für den Menschen völlig unbedenklich und dienen als Fischnahrung. Erst als Gelsen treiben sie Badegäste zur Weißglut und Flucht.

Keine Angst muss man auch vor einem weiteren Wasserbewohner haben, der derzeit aufgrund der langen Hitzeperiode in Österreich auftritt. Craspedacusta sowerbyi lautet die korrekte Bezeichnung der ein bis zwei Zentimeter großen Süßwasserqualle, die in stehenden und langsam fließenden Gewässern heimisch ist. Die Tiere haben zwar Nesselzellen und ernähren sich von Wasserflöhen und Einzellern, stellen aber keine Gefahr für die Menschen dar. Die Medusen gelten im Gegenteil als Indikator für gute Wasserqualität. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 7. 2003)

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