Zeit schluckt Geld

18. August 2003, 11:40
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Wir wissen ja unser soziales Sicherheitsnetz viel zu wenig zu schätzen und auszunützen. Leser Günter hatte als Privatpatient 59 Euro zu bezahlen. Der Arzt riet ihm, die Honorarnote bei seiner Versicherung einzureichen, da würde er einen Teil vergütet bekommen.

So bemühte sich der Patient um einen ausführlichen Krankenbericht und schickte Brief, kopierten Laborbefund und ausgedruckte Honorarbestätigung an die Gebietskrankenkasse. Postwendend (nach zwei Monaten) erhielt er ein Schreiben der GKK, das enttäuschend begann ("Um Kostenersatz zu leisten, benötigen wir grundsätzlich Originalunterlagen"), aber erfreulich endete: "Da (...) unsere Personalressourcen sehr knapp sind, bearbeiten wir Ihren Antrag ausnahmsweise und unpräjudiziell, obwohl die Formalkriterien nicht erfüllt sind."

Schwindelerregende sechs Tage später kam ein zweiter Brief, der wortreich die Überweisung des Betrages ankündigte. Verdächtig klang allerdings der Hinweis, dass es "keine gesetzliche Bagatellgrenze für die Auszahlung des Kostenerstattungsbetrages" gebe. Ach ja, und der Betrag wurde auch bereits verraten: Günter erhält von der GKK 1,98 Euro. - Hochachtung! So spart man Geld, um Zeit zu finanzieren. (Daniel Glattauer, DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2003)

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