Eine Kuh bei Schießübungen voll erwischt

4. August 2003, 19:55
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Wie Fidel Castro mit Rebellen trainierte

Havanna - "Das ist Fidel, das bin ich", deutet Pedro Trigo auf zwei Steine. Insgesamt fünf Felsbrocken liegen auf einer Waldlichtung in der Nähe von Havanna. In diesem Tal haben fünf Männer, geleitet von Fidel Castro, ihre Schießübungen für den Sturm auf die Moncada-Kaserne abgehalten, der der Ausgangspunkt für eine Rebellion gegen das Regime von Fulgencio Batista werden sollte. "Das war die Stunde null der kubanischen Revolution", so der 74-Jährige.

Eingeweiht waren nur ein paar Bauern, deren Vieh auf den Weiden ringsum stand. "Einmal haben wir eine Kuh voll erwischt", erzählt Trigo lachend. Der Bauer hat aber Schadenersatz abgelehnt.

Am 26. Juli 1953 um fünf Uhr früh war es so weit: Insgesamt 111 junge Frauen und Männer, die sich in verschiedenen Gruppen vorbereitet hatten, wollten sich den Trubel des Karnevals in Santiago de Cuba zunutze machen. Aber der Buick, den Fidel Castro steuerte, fuhr in den Straßengraben, alles stockte. Der Überraschungseffekt war dahin. 61 Rebellen starben, unter ihnen Trigos Bruder Julio.

Revolution statt Tanz

"Zum Karnevalfeiern und Tanzen" war die damals 21-jährige Marta Rojas in Santiago de Cuba. "Dann war ich mitten in der Revolution." Die Journalistin schrieb auch über den Prozess. Castro verteidigte sich damals mit den inzwischen berühmten Worten: "Die Geschichte wird mich freisprechen." Aber erschienen sei fast nichts, verweist Rojas auf ihre vergilbten Manuskripte. Auf jeder Seite sind breite Striche - die Batista-Diktatur übte Zensur.

Kein Blatt vor den Mund nimmt sich dagegen Trigo. Er schimpft zwar gegen "den Imperialismus" und spricht davon, dass Kuba "eine große Schlacht zu führen hat, um auf diesem Planeten eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen". Aber gleichzeitig räumt er ein, dass "in unserem revolutionären Prozess große Fehler gemacht wurden". Er nennt die Spezialperiode nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, als die Lebensmittel knapp waren, und die Anschaffung von Schneepflügen und Reisekoffern. "Fidel hat gesagt, dass die Revolutionäre Fehler entdecken, verbessern und überwinden müssen. Wir sind auf dem richtigen Weg, auf unsere Art und Weise, nicht auf Befehl von außen." (DER STANDARD Printausgabe, 28.7.2003, afs)

  • Pedro Trigo kämpfte an der Seite Fidel Castros
    foto: standard/afs

    Pedro Trigo kämpfte an der Seite Fidel Castros

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