Lauda der Luftmatratzen

6. Oktober 2003, 15:55
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Fernsehen ist überall - Das merkte der nach Erholung lechzende Tagebuchschreiber am Samstag wieder einmal im Schwimmbad ...

Fernsehen ist überall. Das merkte der nach Erholung in der Stadt lechzende Tagebuchschreiber am Samstag wieder einmal im Schwimmbad. Wenn er und sie schon frühmorgens mit Klappbetten angerückt kommen, die duftenden Schnitzelberge in Alufolien mehrfach verpackt, den Erdäpfelsalat in der Kühltasche, dann ist das wie Am Schauplatz.

Manche Badegäste machten nicht nur Programm, sie teilten ihren Alltag auch nach der Fernsehkiste ein. "Verdammt, ich versäume jetzt die Tour de France!", meint ein Mann ganz ernsthaft, dessen Bauch unter einem T-Shirt mit der Aufschrift "Bier!" verborgen war. Der kleine Peter war auch immer verzweifelt, wenn Niki Lauda ausgerechnet dann gewann, wenn kein Fernsehapparat im Gänsehäufel aufzutreiben war. Aber Ersatz war schnell gefunden: Dann brauste er eben mit "Brummbrumm!" auf der Luftmatratze über das Wasser, ganz zufällig an hübschen Mädchen vorbei, die aufreizend herumstanden. Auf diese Idee kam er, ohne jemals RTL-Extra-Berichte über "Boxenluder" gesehen zu haben, weil es das damals natürlich noch nicht gab. Fernsehen ist überall. Auch in den Genen.

Wie langweilig ist dagegen doch Fernsehen, wenn es aus dem Fernsehapparat kommt. Beispiel: Samstagnachmittag. Mattersburg besiegt Sturm, der Kommentator schläft fast ein. Rai Uno spielt Derrick. Horst Tappert auf Italienisch ist weniger knöchern als sonst. Und ATV+ zeigt in Echt, wie ein Koch Kakerlaken zubereitet. Mahlzeit. Das Mittagessen im Bad war wenigstens paniert. (pi/DER STANDARD; Printausgabe, 28.7.2003)

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