
24.08.2007 17:31
Herta Zink: "Oft fehlen zündende Ideen"
Herta Zink, bis Ende August Chefin der Mediaagentur OMD, über den Erfolg von "Starmania", die Zukunft von ATVplus und hausgemachte Probleme beim ORF - 1 Foto
STANDARD: Mit Anfang Juni startete ATVplus, die großen Heuler fehlen, als erstes Format wurde "100 % Rabatt" gekappt. Welche Chancen geben Sie ATVplus?
Zink: Ich wünsche mir und eigentlich uns allen, dass ATVplus möglichst bald wirklich starten kann und alle technischen Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Auf der anderen Seite ist programmlich sicher noch einiges zu tun, es muss neue Formate geben. ATVplus muss sich das erste halbe Jahr mal "probieren". Ich gebe ATVplus Chancen, aber das Team um Franz Prenner hat noch jede Menge Arbeit zu leisten.
STANDARD: Der ORF musste im Juni einen deutlichen Quotenrückgang hinnehmen. ORF 1 und ORF 2 kamen auf einen Marktanteil von 42,6 Prozent, im Juni 2002 lag dieser noch bei 47,3 Prozent.
Zink: Der Quotenrückgang ist zum Teil auf die Fußball-WM im letzten Jahr zurückzuführen. Aber nicht nur, denn der ORF musste auch Einbußen in der Zeit von 17 bis 23 Uhr hinnehmen. Hier ist das Problem hausgemacht, die großen Hits fehlten, zu viele Wiederholungen wurden programmiert.
STANDARD: Ende Juli findet in Köln die Telemesse statt, TV-Sender präsentieren der Werbewirtschaft die neuesten Formate. Wohin geht der Trend?
Zink: Welche Formate in Zukunft punkten werden, da bin ich überfragt. Tatsache ist, dass die "Casting-Shows" derzeit der Renner sind, die zweite "Starmania"-Staffel wird zeigen, ob das Format das halten kann, was der Vorgänger geschafft hat. Nämlich breitenwirksam und trotzdem jung zu sein und Gesprächsstoff zu liefern. Ein Format muss emotional punkten, das ist das Geheimnis des Erfolges.
STANDARD: Onlinemedien haben hinsichtlich der Reichweite ihre klassischen Pendants erreicht. Trotzdem wird nur ein sehr geringer Prozentsatz der Werbeaufwendungen in den Onlinebereich investiert.
Zink: Ich glaube, dass da im letzten Jahr bereits sehr viel geschehen ist, aber das Thema ist sicher noch nicht ausgereizt. Es fehlt oft an zündenden Ideen, was die Umsetzung anbelangt.
STANDARD: Im Jahr 2002 schaltete die OMD Etats in Höhe von mehr als 178 Millionen Euro. Wird dieses Ergebnis heuer zu halten sein?
Zink: Die Buchungslage entspricht in etwa der des letzten Jahres, wir können eventuell auch etwas zulegen, auch aufgrund des erst kürzlich gewonnenen Media-Etats der Möbel Lutz-Gruppe.
STANDARD: Konjunkturlage und Werbeflaute, wann geht es wieder bergauf?
Zink: Ich denke, dass man erst mit 2004 wieder mit Aufschwung rechnen kann, allerdings werden auch die Traum-Werte von 2001 nicht zu erreichen sein. Wir werden uns noch einige Zeit mit bescheidenem Wachstum von zwei bis drei Prozent bescheiden müssen.
STANDARD: Mit Ende August verlassen Sie die OMD Austria. Warum und wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus?
Zink: Meinen Abschied von der OMD darf und möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Ich habe jetzt Zeit, zu schauen, was auf mich zukommt.
STANDARD: Sie sind Vorsitzende des Forum Mediaplanung. Bleiben Sie dem Verein als Chefin erhalten?
Zink: Gewählt wird wieder im November, bis dahin werde ich alle FMP-Agenden wahrnehmen und mich auch dafür einsetzen, dass die Mediaberater-Ausbildung an der Werbeakademie auch dieses Jahr zustande kommt. (DER STANDARD; Printausgabe, 26./27.7.2003)