Kernaussagen des Kongressberichts zu 9/11

1. August 2003, 16:28
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Washington - Der Untersuchungsausschuss des US-Kongresses kommt in seinem am Donnerstag veröffentlichten Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass die US-Sicherheitsdienste "Gelegenheiten versäumt (hätten), den Plan für den 11. September zu vereiteln". Passagen, in denen es laut Medienberichten um die Rolle Saudiarabiens bei der Finanzierung der Terroristen geht, wurden für die Öffentlichkeit gesperrt. AFP dokumentiert Kernaussagen des Berichts:

  • Bereits seit 1994 war den Geheimdiensten bekannt, dass Terroristen Anschläge mit Flugzeugen planten. Dennoch wurden die Puzzleteile von den Experten des Geheimdienstes CIA, der National Security Agency (NSA) und der Bundespolizei FBI nicht zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Die "kollektive Bedeutung" der sehr umfangreichen Informationen wurde wegen der "ungenügenden Zusammenarbeit" verkannt: "Zusammengenommen verschlimmerten diese Probleme die Verwundbarkeit der Nation erheblich."

  • Das Zusammenspiel der Dienste war weder "gut organisiert", noch waren die Dienste "gut ausgerüstet". Gravierende Fehler wurden im Fall der beiden Hijacker Khalid Almihdhar und Nawaf Alhazmi gemacht. Die CIA hatte schon vor Einreise der Männer Hinweise, dass die beiden mit El Kaida in Verbindung stünden, sie aber nicht auf die Überwachungsliste gesetzt. Das FBI-Büro im kalifornischen San Diego, wo sich die beiden Männer niederließen, wurde von der CIA nicht unterrichtet.

  • Am 10. Juli 2001 informierte das FBI-Büro in Phoenix im US-Staat Arizona die Zentrale in Washington darüber, dass Al-Kaida-Chef Osama bin Laden Studenten zum Flugtraining in die USA schicke. In der Zentrale stieß diese Information auf "wenig oder gar kein Interesse". Das FBI "veranlasste nicht die angeforderten Schritte".

  • Weniger als einen Monat vor dem 11. September gab das FBI-Büro in Minneapolis im US-Staat Minnesota bekannt, dass Zacarias Moussaoui festgenommen sei. Die US-Justiz beschuldigt Moussaoui, an Vorbereitungen zu weiteren Anschlägen im Zusammenhang mit dem 11. September beteiligt gewesen zu sein. Niemand stellte die Festnahme in Zusammenhang mit der Warnung aus Phoenix.

  • Die Analysen der Dienste waren von sehr unterschiedlicher Qualität. Zahlreiche Fachleute waren "unerfahren, ungeeignet und schlecht ausgebildet". Sie hatten keinen Zugang zu wichtigen Informationen. Nicht einmal Übersetzer und Fachleute für verschlüsselte Botschaften standen in ausreichender Zahl zur Verfügung.

  • Die Attacken wurden zu großen Teilen aus dem Ausland finanziert. Eine koordinierte Gegenstrategie, um die Finanzquellen der Terroristen und trockenzulegen und ihre Unterstützernetzwerke auszuheben, gab es nicht.

    (APA)

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