Vier Bewerber für zweiten Anlauf E-Card

3. August 2003, 16:22
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Nachdem der erste Anlauf zur Einführung der E-Card, des elektronischen Krankenscheins, im Frühjahr kläglich scheiterte, soll noch im Sommer über den zweiten, scheibchenweisen Anlauf entschieden werden

Die öffentliche Hand scheint bei der Durchführung großer Technologieprojekte derzeit kein glückliches Händchen zu haben. Vor wenigen Wochen scheiterte der Aufbau von Adonis, des Funknetzes für so genannte Blaulichtorganisationen, an Differenzen zwischen Innenministerium und Betreiberfirma Mastertalk. Und schon im Frühjahr entgleiste das Renommierprojekt des Hauptverbandes der Sozialversicherungen, die Einführung der E-Card, nachdem das Auftragnehmerkonsortium EDS/ORGA in Verzug geraten sein soll.

Die Bewerber

Jetzt tritt der zweite Anlauf zur Einführung des elektronischen Krankenscheins in sein konkretes Stadium, nachdem der Hauptverband das Projekt in fünf Teile tranchiert und den ersten Teil für das Zentralsystem neu ausgeschrieben hat. Vier Bewerber wollen sich um die erste Etappe bewerben, bei der es um Einrichtung des Zentralsystems der E-Card geht - Rechenzentrum, Kommunikationsstruktur und Software in den Arztpraxen:

  • Hewlett-Packard (HP), Bundesrechenzentrum (BRZ) und Telekom Austria (TA), wobei HP Konsortialführer ist,

  • ein von Siemens geführtes Konsortium aus SBS (Siemens Business Services) und IBM,

  • T-Systems, IT-Dienstleister der Deutschen Telekom, möglicherweise mit Partnern,

  • das Raiffeisen Informatik Zentrum (RIZ).

    Offensiv oder zurückhaltend

    Während T-Systems seine Teilnahme an der Anbotslegung zwar auf Anfrage bestätigt, sonst aber sommerlich bedingt wenig auskunftsfreudig ist, gab es am Freitag vonseiten des RIZ keine offizielle Bestätigung der in der Branche kolportierten Bewerbung.

    Offensiver betreiben hingegen HP und Siemens/IBM ihre Bewerbung. HP-Österreich-Chef Wolfgang Gruber erklärte Donnerstagabend bei einem Pressegespräch offiziell die Bewerbung um den Auftrag. Er hoffe, dass HP mit seinen Partnern BRZ und TA eines der drei Konsortien sei, die in diesen Tagen vom Hauptverband zur Anbotslegung eingeladen werden sollen.

    Höchstes US-Sicherheitszertifikat

    Gruber sieht HP dafür gut positioniert: Das Unternehmen sei als umfassender IT-Anbieter ebenso qualifiziert wie durch sein spezielles Know-how im Gesundheitsbereich, wo HP für mehrere Spitäler in Österreich tätig sei. Im Bereich von Sicherheitstechnologie - eine Kernanforderung des Chipkartenprojekts - sei HP durch andere Projekte, unter anderem eine elektronische ID-Karte für Italiens E-Government, bestens gerüstet. HP habe das höchste US-Sicherheitszertifikat, obwohl für die E-Card nur ein mittlere Sicherheitsniveau vorgesehen ist.

    Klare Bestätigungen für die Anbotslegung gibt es auch von Siemens Österreich, dessen Tochter SBS mit IBM und der Telekom Austria (die zumindest in zwei Konsortien vertreten ist) am Wettbewerb teilnehmen wollen. Auch Siemens beruft sich auf langjährige Erfahrungen im Chipkartenbereich und sein Software-Know-how zusammen mit IBM.

    Keine Angaben zu Auftragsvolumen

    Angaben zum Auftragsvolumen des ersten Teils wollten Interessenten derzeit keine machen. Das frühere komplette E-Card-Projekt wurde mit rund 90 Mio. Euro bewertet. Die weiteren Tranchen der Vergabe werden zu noch nicht bekannten Zeitpunkten die Chipkarten selbst sein, die Kommunikationsdienstleistung, Auskunftserteilung (ein Callcenter) sowie der Rollout des Systems.(Helmut Spudich/Der Standard, Printausgabe vom 26./27.7.2003)

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