Über die NBA-Chancen eines Österreichers

Analyse11. Juli 2013, 09:41
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Rasid Mahalbasic spielt derzeit in der NBA Summer League - Der Eintritt in die stärkste Basketball-Liga der Welt ist aber ungleich schwieriger - Eine Analyse

Iren, Japaner, Isländer und sogar ein Schweizer haben es bereits geschafft. Während die Liste der Basketball-Exoten, die in der NBA gespielt haben, immer länger wird, ist Österreich imagemäßig sozusagen der sudanesische Skifahrer in der amerikanischen Glitzerwelt des Profibasketballs.

Rasid Mahalbasic könnte seinen Teil dazu beitragen, dass in den kommenden Jahren eine Imagepolitur stattfindet. Als Basketball-Pionier riecht er derzeit hin, zur stärksten Liga der Welt, der NBA. Sein aktuelles Führungszeugnis: Vier Punkte, vier Rebounds, drei Blocks, drei Assists und ein Steal in der Summer League für die Utah Jazz beim 98:69-Sieg gegen die Brooklyn Nets. In seinem zweiten Einsatz auf der Spielwiese für junge Talente durfte der 22-Jährige Österreicher erstmals länger am Feld stehen, immerhin 25 Minuten.

Das Ziel vor Augen

Von "Mahalbasics NBA-Traum" war bereits zu lesen. Die Chancen auf einen Vertrag in diesem Sommer sind aber eher als gering einzuschätzen. Kaum ein Spieler schafft es von der Summer League direkt in die NBA, die Mannschaft von Mahalbasic (Utah) ist auf der Position des Centers bereits gut besetzt, mit seinem französischen Teamkollegen Rudy Gobert und dem Türken Enes Kanter haben die Jazz bereits zwei aussichtsreiche Europäer im Kader. Was Mahalbasic freilich tut, ist seinen Marktwert steigern, und vielleicht winkt ihm ein Ticket für die zweite Talenteschau in Las Vegas oder ein Platz in der Saisonvorbereitung (Preseason), bevor die Teams ihren Roster auf 15 Mann reduzieren müssen.

Was Mahalbasic fehlt, ist eine extreme Athletik, die heutzutage das Um und Auf ist, selbst im Europacup. Beim ehemaligen polnischen Serienmeister Asseko Prokom hat er trotzdem eine sehr gute Figur gemacht, weil er spielerisch und im typisch teamorientieren europäischen System zu überzeugen wusste. Die Polen haben wegen grober finanzieller Probleme bis zum Saisonende alle Legionäre entlassen außer Mahalbasic. Dass man aber auch ohne gewaltige Sprungkraft in der NBA reüssieren kann, dafür ist etwa der Montenegriner Nikola Pekovic, der in Diensten der Minnesota Timberwolves steht, das beste Beispiel: Seine Skills kaschieren seine mangelnde Geschwindigkeit.

In Europa ist Mahalbasic mittlerweile eine Nummer. Dass er von seiner ersten großen Auslandsstation bei Fenerbahce Istanbul vor drei Jahren mehrmals verliehen wurde, trübt seinen Karriereaufstieg nicht. In der Türkei gibt es eine sehr strenge Legionärsregelung. Dort sind bereits andere Größen wie der deutsche Nationalteamspieler Heiko Schaffartzik daran gescheitert, dass immer drei Türken am Spielfeld stehen müssen.

Sprungbretter

Bleibt vor allem die Frage, welche Position Mahalbasic spielt. Vielleicht nimmt sich der 2,11-Meter-Mann ein Beispiel an einem anderen Parade-Legionär, von dem in Österreich kaum jemand Wind bekommt: Benjamin Ortner. Der Tiroler war für die Position fünf (Center) einst zu schwach, hat gewaltig an Muskelmasse zugelegt, ohne dabei mit dem Basketball das Brett zu zertrümmern, und räumt mittlerweile seit Jahren unter den Körben der ersten italienischen Liga auf. Ortner hat von seinen Erfahrungen am College in den USA profitiert: Seine Intensität im Spiel und seine Professionalität sind herausragend, mit Montepaschi Siena wurde er heuer sogar italienischer Meister.

Eine weitere Bühne für Mahalbasic wäre die nächste Europameisterschaft in der Ukraine im Jahr 2015. Im Gegensatz zu Ortner, der aufgrund von Querelen mit dem Verband als auch mangelnden Bezugs zum österreichischen Basketball dem Nationalteam seit jeher grundsätzlich fern blieb, schätzt Rasid Mahalbasic Rot-Weiß-Rot. Je höher Letzterer aber fliegt, desto schwieriger wird es, ihn für das Team zu bekommen. Der Konkurrenz geht es nicht besser, bei den Ungarn fehlen Adam Hanga (von den San Antonio Spurs gedraftet), bei den Schweizern Thabo Sefalosha (Oklahoma City Thunder). Dabei war es nie leichter, zu einer EM zu fahren, als heuer, wo ein fixes EM-Ticket in einem Quali-Turnier der kleinen Nationen ausgespielt wird. Früher mussten die Schwächsten Europas (inklusive Österreich) erst einmal aus der zweiten in die erste Division Europas aufsteigen, bevor es überhaupt um irgendetwas ging.

"Jetzt will ich Geschichte schreiben", sagt Rasid Mahalbasic. Basketball in den USA sei zwar "der gleiche Sport (wie in Europa), aber ein anderes Spiel". Es werde weniger Wert auf Defensive gelegt und in der Offensive mehr auf Eins-gegen-eins-Situationen geachtet. Sein Fazit: "Das Kollektiv leidet darunter, das Niveau des Zusammenspiels ist dementsprechend niedrig." Vielleicht empfiehlt sich Mahalbasic auch für andere Aufgaben, ein größerer Karriereschritt folgt bestimmt. In den sportlichen Annalen Europas kommt die Kombination Basketball und Österreich noch nicht vor. (Florian Vetter, derStandard.at, 11.7.2013)

  • Rasid Mahalbasic hat auch schon Ex-NBA-Spieler aufgemischt, hier im Weg: Der Niederländer Dan Gadzuric (re.).
    foto: öbv/novak

    Rasid Mahalbasic hat auch schon Ex-NBA-Spieler aufgemischt, hier im Weg: Der Niederländer Dan Gadzuric (re.).

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