Rechnungshof-Kritik an Schulen: Planung mit Unbekannten

Kommentar10. Juli 2013, 18:49
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Der Staat könnte bei der Personalplanung an Schulen massive Einsparungspotenziale nutzen

Ginge es nur nach den Zahlen, dann fänden sich leichte Lösungen: Lehrer machen zu viele Überstunden? Da bräuchte man ja nur 5200 zusätzliche Lehrer einzustellen und hätte das Problem gelöst. Oder: Lehrer machen zu viel Verwaltungskram? Man müsste bloß zusätzliche Verwaltungskräfte einstellen, und schon könnten die Lehrer mehr unterrichten. Und billiger wäre es auch noch!

Solche Milchmädchenrechnungen wären schon unzulässig, wenn die Schule ein einziger Großbetrieb mit 36.528 Lehrern und 388.000 Schülern wäre - aber die Bundesschulen sind auf 1100 Standorte verteilt, jeder mit eigenen Besonderheiten. Da greift es zu kurz, die regelmäßigen Überstunden in 105.000 Werteinheiten (die ebenso wenig einer 60-minütigen Stunde entsprechen, wie das eine 50-minütige Schulstunde tut) und in 5200 Arbeitsplätze umzurechnen. Man wird auch nicht alle Lehrer von aller Bürokratie entlasten können - auch wenn das sowohl der Rechnungshof als auch die Gewerkschaft gerne hätten.

Aber der Bericht des Rechnungshofs zeigt, dass der Staat bei den regelmäßigen Überstunden ebenso wie bei der Verwaltungstätigkeit massive Einsparungspotenziale nutzen könnte - wenn man denn wüsste, wie es mit der Schule generell weitergehen wird. Das aber steht weder dienstrechtlich noch schulorganisatorisch fest. Die Schulverwaltung plant mit vielen Unbekannten; das neue Lehrerdienstrecht sollte rasch einige davon ausräumen. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 11.7.2013)

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