"War-Room brauch ma keinen"

10. Juli 2013, 18:01
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Die SPÖ legt ihre Wahlkampfzentrale bodenständig an. Einen Aufwand wie bei Werner Faymanns Sieg vor fünf Jahren verbietet nun das Gesetz

Wien - Werner Faymann nimmt den Anspruch, ein Politiker zum Angreifen zu sein, wörtlich. Keine Hand lässt der Kanzler aus, als er sich durch die Menschentraube vor der SPÖ-Zentrale in der Löwelstraße schüttelt. Minister, Funktionäre und Journalisten sind gekommen - und "viele gute Geister", denen Faymann prophylaktisch dafür dankt, dass sie für ihn im Wahlkampf fliegen werden.

Bodenständig haben die Sozialdemokraten ihr Kampagnen-Hauptquartier angelegt, nicht nur, weil es zu ebener Erd' in der ehemaligen Parteibuchhandlung untergebracht ist. 08/15-Schreibtische stehen auf grauem Teppich, der Aufputz erschöpft sich in rot gestrichenen Fensterrahmen und einer LED-Anzeige an der Fassade, die Slogans wie "Hier arbeiten Menschen für Menschen, die arbeiten" abspult. "Wahlkampfzentrale" legt Faymann als korrekte Bezeichnung fest, "War-Room brauch ma keinen". Schließlich setze sich Österreich ja auf der ganzen Welt für Frieden ein.

Die Abneigung gegen den Anglizismus nährt sich aus einem historischen Trauma. 1999 hatten sich die SP-Wahlkämpfer in einem ebensolchen War-Room verschanzt, um Viktor Klima als "neuen" Sozialdemokraten im Blair-Schröder-Style zu vermarkten. Der "dritte Weg" führte schnurstracks in die Opposition - und der War-Room wurde zum Mahnmal für eine SPÖ, die Inhalt durch Inszenierung, Politik durch Popanz ersetzt hatte.

Flipcharts gegen Sinnentleerung

Um der Sinnentleerung diesmal vorzubeugen, hängen an den Flipcharts der neuen Zentrale Gedächtnisstützen: Grafiken zur Vermögensverteilung etwa oder die europäische Arbeitslosenstatistik. Die Hitze ist im L-förmigen Büro, in dem sich im Endausbau 40 Mitarbeiter in Rufweite drängen sollen, schon ohne Gefecht groß, doch Kuscheligkeit ist Teil des Konzepts. Ziel sei, sagt Wahlkampfleiter Norbert Darabos, die Wege zu verkürzen und die Kommunikation zu verbessern.

Auch sonst soll die Schaltstelle vieles können, was einen - Pardon - War-Room, wie moderne Kampagnenzentralen seit Bill Clintons US-Wahlkampf 1993 genannt werden, ausmacht. Gezielte Betreuung spezieller Wählergruppen wie Migranten, Frauen oder Jugendliche zählt ebenso zum Programm wie die ständige Analyse der politischen Stimmungslage und Debatten inklusive Feindbeobachtung - schließlich gilt es, auf Vorstöße der Gegner möglichst schnell zu reagieren und Gegenargumente in der Öffentlichkeit unterzubringen.

Drei Mitarbeiter sind für die Betreuung der "sozialen Netzwerke" im Web abgestellt. Um Flops wie jenen mit der selbstgestrickten Kanzler-Homepage zu vermeiden, kauft die SPÖ Know-how bei der Agentur Datenwerk zu. Weil die Wahlkampfkosten nun per Gesetz auf sieben Millionen begrenzt sind, müsse die SPÖ leiser treten als vor fünf Jahren, sagt Darabos: Damals trug ein Etat von zehn Millionen zu Faymanns Sieg bei. (Gerald John, DER STANDARD, 11.7.2013)

  • Werner Faymann trifft auf Werner Faymann: Der Kanzler und SPÖ-Chef besucht die Wahlkampfzentrale, die ihm neuerlich zum Sieg verhelfen soll.
    foto: standard/urban

    Werner Faymann trifft auf Werner Faymann: Der Kanzler und SPÖ-Chef besucht die Wahlkampfzentrale, die ihm neuerlich zum Sieg verhelfen soll.

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