Europa im Banne der Pleiten

10. Juli 2013, 17:23
2 Postings

Kreditversicherer sehen Zahl der Insolvenzen heuer um mehr als ein Fünftel steigen

Wien - Die Insolvenzen von Alpine und Dayli halten ihre Mitarbeiter und Lieferanten in Atem. Vor allem der Baukonzern droht seine Partner mit in die Krise zu ziehen. Österreich steht im Bann großer Pleiten, und daran wird sich heuer wenig ändern. Zumal sich in ganz Europa ein starker Konkursanstieg abzeichnet. Präzise Prognosen seien mittlerweile kaum mehr möglich; es müsse sich jedoch jeder darauf einstellen, dass die kommenden 18 Monate hart werden, sagt Ludwig Mertes, Vorstand der Prisma, der Österreich-Tochter von Euler Hermes. Der weltgrößte Kreditversicherer klopft Unternehmen auf ihre Risiken ab, und derer sieht er derzeit international viele.

Während die Zahl der Pleiten in den USA und Asien um fünf Prozent sank, legte sie heuer europaweit um 16 Prozent zu. Bis Jahresende sei in der Eurozone ein Zuwachs von 21 Prozent zu erwarten. Global werde sich das Plus voraussichtlich auf acht Prozent belaufen. Und für 2014 rechnen Prisma und Euler Hermes in Europa nach wie vor mit sieben Prozent mehr Ausfällen, während sich der Konkursanstieg weltweit auf zwei Prozent einpendeln werde.

Um kein Mehr an Pleiten zu produzieren, brauche eine Volkswirtschaft in der Regel ein BIP-Wachstum von zwei bis drei Prozent, erläutert Mertes. Gehe dieses hingegen um einen Prozentpunkt zurück, drohe eine Insolvenzzunahme von gleich einmal bis zu einem Zehntel. Die österreichische Wirtschaft könne sich von Problemen wichtiger Exportmärkte nicht länger abkoppeln; Mertes sieht auch hierzulande zunehmend mehr Arbeitsplätze gefährdet. Was sich in der Folge auf den Konsum auswirke, der bisher als weitgehend stabil galt. Schaden erleiden werde dadurch wiederum der Einzelhandel. Euler Hermes sagt vor allem Branchen rund um Autos, Unterhaltungselektronik und Möbel einige schwierige Jahre voraus.

Italien zählt für die Österreicher nach Deutschland zu den größten Exportmärkten. Die Zahl der Konkurse steigt dort heuer bereits zum sechsten Mal in Folge. Für negative Überraschungen sorgte Polen, das für österreichische Unternehmen als Abnehmer laufend an Bedeutung gewinnt. Das Land verbuchte 2012 die höchsten Pleitezahlen seit acht Jahren. "Es haben sich dort alle Grundparameter verschlechtert", resümiert Mertes.

Deutschland stehe nach wie vor gut da - Unbill drohe aber seinem Zugpferd Automobilindustrie, die aus Österreich rege beliefert wird.

In Tschechien rechnet Prisma mit keiner Erholung vor 2015, und in Ungarn erreichten die Insolvenzen heuer ein Allzeithoch. Auch in Russland könnten der Ölboom und gute private Konsum das weitere leichte Anwachsen der Pleiten heuer nicht verhindern.

Dayli verkauft ab

Ob die Drogeriekette Dayli in Österreich liquidiert oder vorerst doch weitergeführt gibt, will der Masseverwalter am Freitag publik machen. Hinter den Kulissen stehen die Zeichen wie berichtet für die erste Variante - konkret eine Schließung in Etappen. Um noch Geld zu verdienen, wird die verbliebene Ware ab heute, Donnerstag, in den Geschäften abverkauft.

Prisma hat Lieferungen an Dayli nie versichert. Mertes: "Wir bekamen keine vertrauensbildenden und transparenten Informationen über die Investoren, das Konzept hat nicht überzeugt." Lieferanten seien stets die größten Kreditgeber - vielfach wichtiger als sämtliche Geschäftsbanken zusammen. Sie mit unbeantworteten Fragen abzuspeisen, sei unklug. (vk, DER STANDARD, 11.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.