Hochschulkonferenz stimmt Medizin-Fakultät in Linz zu

10. Juli 2013, 15:33
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Gremium verknüpft Zustimmung mit mehr Mitteln für Hochschulen und Grundlagenforschung

Linz/Wien - Die geplante Medizin-Fakultät in Linz hat am Mittwoch ihre letzte Hürde genommen. Nach einer überraschend langen Sitzung gab die Hochschulkonferenz am Nachmittag grünes Licht für das Projekt - allerdings unter Bedingungen.

Das Beratungsgremium fordert mehr Geld für Hochschulen und Grundlagenforschung. Konkret werden in der Einigung zusätzliche Mittel für die Universitäten gefordert, die zumindest die laufenden Kostensteigerungen abdecken - wobei der Sprecher der Senate, Helmut Fuchs, darauf pochte, dass es "sicher um mehr geht als die Inflationsabgeltung". Zudem sollen Auswirkungen auf die Mediziner-Quotenregelung untersucht werden und eine international besetzte Kommission und der Wissenschaftsrat den Gründungsprozess begleiten. "Mit dieser Junktimierung können wir einer medizinischen Fakultät in Linz zustimmen", sagte Minister Karlheinz Töchterle nach Ende der Sitzung.

Töchterle unterstützt Bedingungen

Ohne zusätzliche Mittel für die Hochschulen werde er der Schaffung einer Medizin-Fakultät in Linz jedenfalls im Ministerrat nicht zustimmen, betonte Töchterle nach der dreieinhalbstündigen Sitzung. Er werde auch darauf achten, dass das Projekt nur unter den von der Hochschulkonferenz genannten Bedingungen umgesetzt wird. Ob das heiße, dass es andernfalls keine Medizin-Fakultät in Linz geben wird? "So ist es."

"Das ist in der Tat ein Vertrauensvorschuss", sagte er zur Zustimmung des Beratungsgremiums so kurz vor Ende der Legislaturperiode. "Die Hochschulkonferenz hätte auch die Möglichkeit gehabt, Nein zu sagen." Gleichzeitig sah er sich durch die Unterstützung des aus Vertretern von Universitätenkonferenz (uniko), Fachhochschulkonferenz (FHK), Uni-Senaten, Wissenschaftsrat, HochschülerInnenschaft (ÖH) und Wissenschaftsministerium bestehenden Gremiums gestärkt in Budgetverhandlungen gehen, "weil hinter mir der gesamte tertiäre Sektor steht".

Rektorenchef vertraut auf Töchterle

Heinrich Schmidinger, Präsident der Universitätenkonferenz (uniko) zeigte sich im Anschluss an die Sitzung der Hochschulkonferenz vor Journalisten hoffnungsvoll, dass deren Bedingungen auch tatsächlich von Töchterle und der Regierung berücksichtigt werden. "Wir vertrauen darauf."

Dass er trotz seiner zuletzt harschen Kritik an den Plänen für eine Medizin-Fakultät zugestimmt habe, begründete Schmidinger inhaltlich. Die Delegation aus Oberösterreich habe eine sehr überzeugende Präsentation abgeliefert, sei auf die Argumente und Probleme aus Sicht der Kritiker eingegangen. "Das war so überzeugend, dass ich sagen konnte: Unter diesen Bedingungen stimmen wir zu." 

Fachhochschulen sind zufrieden

Fachhochschulkonferenz-Präsident Helmut Holzinger, der seine Zustimmung mit einem Fachhochschulfinanzierungs- und -entwicklungsplan junktimiert hatte, zeigte sich damit zufrieden, dass bei der Sitzung mit der festgeschriebenen Abdeckung der Inflation ab 2014 und zusätzlichen Studienplätzen ab 2015 zumindest Pflöcke eingeschlagen worden seien. Die Forderung nach 1.350 zusätzlichen Studienanfängerplätzen werde man allerdings nicht fallen lassen.

Wissenschaftsrat noch nicht gänzlich überzeugt

Der Wissenschaftsrat, der von Anfang an Sinnhaftigkeit und Qualitätsansprüche einer Medizin-Fakultät in Linz infrage gestellt hatte, konnte zwar inhaltlich noch nicht gänzlich überzeugt werden. Die Präsentation habe aber gezeigt, dass es in Linz immenses Engagement für die Medizin-Fakultät gebe. Dieses wolle man nun mit einer internationalen Gründungskommission und Begleitung des Wissenschaftsrat in richtige Bahnen lenken, so Generalsekretärin Ulrike Plettenbacher.

Vollausbau ab 2028

Die Ausbildung an der Linzer Medizin-Fakultät soll schon 2014 in Graz starten: Die ersten beiden Studienjahre werden zunächst komplett an der Medizin-Uni Graz absolviert, die eigentliche Ausbildung in Linz startet dann 2016/17. Mittelfristig soll es 300 Anfänger-Studienplätze geben, davon sollen 180 die volle Ausbildung in Linz absolvieren, 120 wechseln auch künftig erst nach dem Vorklinikum in Graz nach Linz. Der Vollausbau der Medizin-Fakultät an der Uni Linz soll 2028 erreicht sein.

Auf die Finanzierung haben sich der Bund, die Stadt Linz und das Land Oberösterreich bereits vergangene Woche geeinigt: Bis 2017 kommen vom Bund 36 Millionen Euro aus den Rücklagen des Finanzministeriums, ab 2018 soll das Uni-Budget um die nötigen Mittel aufgestockt werden. Das Land Oberösterreich bzw. die Gemeinden werden bis 2042 225 Millionen Euro zur Verfügung stellen. (APA, 10.7.2013)

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