US-Fracking belastet Europas Klimabilanz

10. Juli 2013, 15:13
47 Postings

Fracking ließ die US-Gaspreise sinken, Kohle war weniger gefragt und deswegen billiger. Das könnte Europas Industrie zur Kohle locken

Berlin/London - Die stark gewachsene Bedeutung von Schiefergas in den USA hat einer Untersuchung zufolge Auswirkungen auf den Klimaschutz in Europa. Weil durch das sogenannte Fracking die Gaspreise in den USA sanken und damit dort die Nachfrage nach Kohle abnahm, fiel der weltweite Kohlepreis, wie die am Mittwoch von der Privatbank Berenberg und dem Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) in Berlin vorgelegte Studie ergab. In Europa sei dadurch der Anreiz gestiegen, mehr Kohle in der Industrie und in der Stromerzeugung einzusetzen.

HWWI-Direktor Thomas Straubhaar erklärte, "durch den niedrigen Kohlepreis und den Zerfall der CO2-Zertifikatepreise in Europa gehen Anreize verloren, in innovative und klimafreundliche Technologien zu investieren". Im europäischen Emissionshandel waren die Preise für Verschmutzungszertifikate zuletzt auf ein sehr niedriges Niveau gefallen. Die Europäische Kommission und das Europaparlament setzen sich daher nun dafür ein, das System zu reformieren und damit den Preis fürs Verschmutzen wieder steigen zu lassen.

Umstrittene Technologie

Fracking, bei dem mit dem Einsatz von Chemikalien Erdgas und Öl aus Schiefergestein-Schichten gewonnen wird, soll die USA bei Gas und Öl von Importen weitgehend unabhängig machen. Hierzulande ist die Technologie ebenso umstritten wie in Deutschland. Befürchtet wird unter anderem eine Belastung des Grundwassers mit Chemikalien.

Die Studienmacher warnten vor einem vorschnellen Handeln hierzulande. Gerade in Ländern mit einer großen Bevölkerungsdichte wie Deutschland hätten die durch Fracking befürchteten negativen Umweltauswirkungen erhebliche Folgen für große Teile der Bevölkerung, erklärte Straubhaar.

Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) stellt sich für nächstes Jahr auf einen sinkenden Bedarf an OPEC-Öl ein. Grund sei das zunehmende Angebot an Schieferöl, das zulasten der OPEC gehe, teilte das Kartell am Mittwoch mit. Die Nachfrage nach OPEC-Öl werde sich nächstes Jahr durchschnittlich auf 29,61 Millionen Barrel pro Tag (bpd) belaufen und damit um 250.000 bpd geringer ausfallen als 2013. Insgesamt werde die weltweite Ölnachfrage 2014 aber um 1,04 Millionen bpd steigen - das wäre das stärkste Wachstum seit 2010. Grund sei die erwartete wirtschaftliche Erholung der Weltkonjunktur. (APA, 10.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Thema Fracking regt Bürger und Bürgerinnen auf.

Share if you care.