Hitze und Fliegen: Das Leben der Fiakerpferde im Sommer

12. Juli 2013, 14:54
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Im Sommer erschwert die Hitze den Fiakerpferden das Leben - Tierschützer fordern kürzere Arbeitszeiten

Die Grünen fordern Hitzefrei für Fiakerpferde. Laut Umweltsprecher Rüdiger Maresch sollten die Tiere bei Temperaturen über 30 Grad nicht mehr arbeiten müssen. Darüber, ob die heißen Temperaturen den Tieren schaden, herrscht Uneinigkeit: Von Seiten der Fiakerbetriebe wird damit argumentiert, dass Pferde Steppentiere seien und deshalb kein Problem mit hohen Temperaturen hätten. Diese Meinung teilt auch Walter Reisp, Leiter der MA60 Veterinärdienste und Tierschutz: "Pferde sind Steppentiere, die die Hitze viel besser aushalten als der Kutscher am Bock", sagte er.

"Grundsätzlich können sich Pferde natürlich an die Hitze gewöhnen. Sind sie in der Kutsche eingespannt, haben sie aber nicht die Möglichkeit sich frei zu bewegen und Schatten aufzusuchen", sagt Elisabeth Sablik vom Verein gegen Tierfabriken. "Pferde können sich an einiges gewöhnen, aber glücklich sind sie deshalb noch lange nicht", ergänzt sie.

Fiakersprecherin Ursula Chytracek  widerspricht dem: "Schön langsam werden wir richtig sauer auf die Tierschützer, weil es einfach nicht stimmt, dass die Hitze den Pferden schadet." Chytracek hat einen der größten Fiakerbetriebe Wiens. Sie besitzt 38 Pferde, von denen täglich zwölf eingesetzt werden.

Als Reaktion auf die Forderung nach hitzfreien Tagen planen die Fiaker nun am 20. Juli einen Streik. Sie werden zwar auf den Stehplätzen sein, aber keine Rundfahrten anbieten. Stattdessen sollen die Passanten informiert und Vorwürfe aus dem Weg geräumt werden.

Kürzere Arbeitszeiten

Insgesamt gibt es in Wien 36 Fiakerbetriebe. In Salzburg existieren rund sechs und in Innsbruck drei Betriebe. In der Bundeshauptstadt sind jeden Tag 116 Fiakerpferde unterwegs. Die Arbeitszeit der Tiere ist auf zwölf Stunden begrenzt. Das sind zwei Stunden weniger als noch im Vorjahr. Laut Sabine Sablik ist das vor allem in den heißen Sommermonaten immer noch zu lange: "Wir treten für eine Verringerung der Arbeitszeit auf sechs Stunden ein."

Die Einhaltung der Arbeitszeiten wird von der MA65 Rechtliche Verkehrsangelegenheiten kontrolliert: Die Kutschen dürfen nicht vor zehn Uhr in der Früh auf den Standplätzen sein und müssen am Abend bis spätestens 22 Uhr wieder abfahren.

Urlaub für die Pferde

Das Tierschutzgesetz schreibt zwei freie Tage in der Woche für die Fiakerpferde vor. Laut Ivonne Litschauer von der MA65 schicken manche Fiakerbetreiber ihre Tiere im Sommer auch auf Urlaub. Dann erholen sich die Pferde ein paar Tage auf einer Koppel außerhalb der Stadt. Dieser "Pferdeurlaub" ist aber nicht gesetzlich vorgeschrieben. Die Pferde von Ursula Chytracek verbringen ihre freien Tage auf der Koppel des Betriebes.

Auf insgesamt 58 Stellplätzen an fünf Standorten warten in Wien die Kutschen auf Kunden. Umweltsprecher Rüdiger Maresch stört sich vor allem an sonnigen Standort Michaelerplatz. "Der Asphalt heizt sich auf 60 Grad auf und strahlt ab", so Maresch.

In Innsbruck wird versucht, den Fiakerpferden das Leben im Sommer zu erleichtern: Dort warten die Kutschen in einer Allee auf die Touristen. Auch in Salzburg weichen die Fiaker an heißen Tagen in den Schatten des Doms zurück.

Maulkörbe für Pferde

Doch nicht nur die Hitze macht den Pferden im Sommer zu schaffen. In der heißen Jahreszeit werden die Tiere von Fliegen geplagt. "Manche Kutscher binden den Pferden die Schweife fest, damit sie nicht den Kot aus den Auffangbeuteln schleudern – das ist aber nicht erlaubt und schränkt die Pferde stark ein", sagt Sablik.

Hitze und Lärm in der Stadt können die Tiere stressen. Dies führe dazu, dass die Pferde nach Passanten schnappen, am Geschirr kauen und das Nachbarpferd beißen würden. Aus diesem Grund legen manche Kutscher den Tieren Maulkörbe an. "Solch ein Verhalten bei Pferden sind Zeichen von Überforderung. Die Tiere brauchen keinen Maulkorb - sie sollten aus dem Verkehr gezogen werden", so Sablik.

Regelmäßige Kontrollen

Missstände bei Pferd und Kutsche sollen bei Kontrollen der MA60 und der MA65 aufgeklärt werden. Dabei ist die MA65 hauptsächlich für die Kontrolle der Kutschen und die MA60 für die Überprüfung des Zustandes der Tiere verantwortlich.

Einmal jährlich werden Stallkontrollen durchgeführt und regelmäßig finden unangekündigte Standplatzkontrollen statt. Dabei wird auch der Zustand der Pferde überprüft. "Solche Kontrollen sind aber nur punktuelle Aufnahmen und die Öffentlichkeit erfährt nur etwas davon, wenn wirklich etwas Schlimmes passiert", bedauert Sablik. (Lea Luna Holzinger, derStandard.at, 12.7.2013)

Bemerkt man Missstände bei den Fiakerpferden, können diese bei der Tierschutz-Helpline 014000-8060 der MA60 gemeldet werden. Wichtig ist es dabei die Fiakernummer anzugeben. Diese muss an jeder Kutsche angebracht sein.

  • Warten in der prallen Sonne: Fiakerpferde am Stephansplatz.
    Lea Luna Holzinger

    Warten in der prallen Sonne: Fiakerpferde am Stephansplatz.

  • Die Arbeitszeit der Pferde wurde verkürzt. Länger als zwölf Stunden dürfen sie nicht eingesetzt werden.
    Lea Luna Holzinger

    Die Arbeitszeit der Pferde wurde verkürzt. Länger als zwölf Stunden dürfen sie nicht eingesetzt werden.

  • Manche Pferde schnappen nach Passanten. Zum Schutz wird ihnen ein Maulkorb angelegt. Unter Angabe der Fiakernummer können Missstände bei der MA60 gemeldet werden.
    Lea Luna Holzinger

    Manche Pferde schnappen nach Passanten. Zum Schutz wird ihnen ein Maulkorb angelegt. Unter Angabe der Fiakernummer können Missstände bei der MA60 gemeldet werden.

  • An jedem Fiaker-Standort steht ein Hydrant, mit dem die Pferde abgespritzt werden können.
    foto: apa/hans klaus techt

    An jedem Fiaker-Standort steht ein Hydrant, mit dem die Pferde abgespritzt werden können.

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