Mobile Apps sammeln mehr Daten als die Polizei

10. Juli 2013, 13:14
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"Man sollte sich immer fragen: Warum machen die das?"

Privat ist viel mehr möglich als staatlich - zumindest wenn es um das Sammeln von sensiblen Daten geht. Um das zu kriegen, was viele Handy-Apps ihren Betreibern ohne großen Aufwand frei Haus liefern, müsste die Polizei seitenlange Anträge bei Gericht stellen: Anrufprotokolle, Kontaktdaten, vertrauliche Einträge im Kalender lesen, Standortdaten übermitteln. Wer die Anforderungen nicht akzeptiert, muss auf viele Apps, also digitale Helferlein, Spiele oder sonstige Programme verzichten.

"Scotty"

Dass mobile Applikationen Daten aus dem Smartphone oder dem Tablet saugen, ist in bestimmten Fällen durchaus sinnvoll: Die ÖBB-App "Scotty" kann Tickets buchen, in den Kalender eintragen und Freunde des Users automatisch per E-Mail von der geplanten Ankunft informieren - eine Servicefunktion. Auch die Preisgabe des Standortes ist plausibel, wenn es um eine Zugauskunft geht. "Diverse Funktionen können aber am jeweiligen Gerät abgeschaltet werden", sagt ÖBB-Sprecher Michael Braun auf Anfrage des STANDARD.

Standortprofile für Werber

Warum aber beliebte Spiele wie "Angry Birds" Bewegungsprofile ihrer Nutzer erstellt, hat nichts mehr mit Service für die User zu tun, sondern ist eine lukrative Einnahmequelle für die Gamehersteller. Vereinfacht ausgedrückt werden die Standortprofile an Werbefirmen verkauft, die darauf abgestimmte Reklame versenden. In der Branche heißt das dann "maßgeschneidert". Sogenannte Tracking-Module, die in Apps versteckt sind, geben wiederum Aufschluss darüber, wie oft und wann die Programme benützt werden. Damit ersparen sich Entwickler teure Umfragen, um neue Produkte auf den App-Markt zu bringen. User bekommen davon nichts mit.

"Man sollte sich immer fragen: Warum machen die das?"

"Die wenigsten User wissen, was technisch möglich ist", meint der Wiener Rechtsanwalt Wolfgang G. Tichy von der Kanzlei Schönherr, spezialisiert auf IT-Recht. Das Messengerprogramm "WhatsApp" beispielsweise lädt ganze Adressbücher auf einen Server herunter, wo es mit anderen bereits gespeicherten Adressen abgeglichen und so der Kontakt erleichtert wird. "Eine coole Funktion, wenn man nichts dagegen hat, dass irgendwo auf einem Server die eigenen persönlichen Daten gespeichert sind. Dasselbe gelte für Reise-Apps, die Buchung und Bezahlung verwalten. Tichy: "Man sollte sich immer fragen: Warum machen die das?" (Michael Simoner, DER STANDARD, 10.7. 2013)

  •  "Angry Birds" erstellt Bewegungsprofile
    foto: reuters

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