Türkei: Unruhen fordern fünftes Todesopfer

10. Juli 2013, 14:29
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19-jähriger Demonstrant erliegt schweren Verletzungen - Parlament beschneidet Rechte der Architektenkammer

Ankara - Ein 19-Jähriger, der bei den regierungskritischen Protesten in der Türkei schwer verletzt worden war, ist im Krankenhaus gestorben. Damit sei die Zahl der Todesopfer im Zuge der Proteste auf fünf gestiegen, meldete die Presseagentur Dogan am Mittwoch.

Ali Ismail Korkmaz, ein Student der Universität von Eskisehir, wurde den Angaben zufolge am 2. Juni in der westtürkischen Stadt von Unbekannten während einer Kundgebung attackiert. Er erlitt eine Gehirnblutung.

Die türkische Ärztevereinigung TBB konnte die Dogan-Meldung vorerst nicht bestätigen. Man wisse aber, dass Korkmaz unter den registrierten Schwerverletzten gewesen sei.

Bei den Protesten gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, die Ende Mai im Istanbuler Gezi-Park ihren Ausgang nahmen, waren neben Korkmaz drei Demonstranten und ein Polizist ums Leben gekommen. Rund 8.000 Menschen wurden laut TBB verletzt. 

Parlament beschneidet Rechte der Architektenkammer

Das türkische Parlament hat unterdessen ein Gesetz verabschiedet, das der Architektenkammer die Mitsprache an Bauprojekten künftig untersagt. Die türkischen Architekten- und Ingenieurskammern gehören zu den größten Kritikern der Bebauung des Gezi-Parks. Ihr Dachverband TMMOB hat sich mehrfach gegen die Pläne für das Gelände am Taksim-Platz gewandt, berichteten "Spiegel Online" und "Hürriyet Daily News" am Mittwoch.

Nun hat sich die regierende islamisch orientierte AKP für den Widerstand gerächt. In einer Nachtsitzung beschnitt das Parlament mit den Stimmen der Erdogan-Partei am späten Dienstagabend die Rechte der Berufsverbände deutlich. Die TMMOB soll bei zukünftigen Stadtplanungsprojekten keine Mitsprache mehr bekommen. Künftig hat laut dem Gesetz das Ministerium für Umwelt und Stadtentwicklung die alleinige Oberhoheit über derartige Projekte.

"Die AKP-Regierung will einen Rosengarten ohne Dornen schaffen, indem sie die TMMOB ihrer Einflussmöglichkeiten beschneidet", sagte TMMOB-Vorsitzender Mehmet Soganci. Die Regierung sehe den Dachverband als "Hindernis für ihre schmutzigen Ziele" und für Grundstücksspekulation. (APA, 10.7.2013)

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