Nachbarn halten Austro-Wirtschaft über Wasser

10. Juli 2013, 10:43
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Die heimische Volkswirtschaft kommt besser durch die Krise als die Eurozone. Den Erfolg verdankt Österreich nicht nur sich selbst

Wien - Am Vormittag wurde in Wien der Wirtschaftsbericht 2013 der Bundesregierung vorgestellt, im sechsten Jahr nach Ausbruch der internationalen Finanzkrise. Österreich kann sich demnach im EU-Vergleich gut behaupten und wird heuer das zwölfte Jahr in Folge ein höheres Wachstum haben als die Eurozone, die allerdings in der Rezession ist.

Dass Österreich so gut dasteht und als eines der ganz wenigen Euroländer nicht in die Rezession abrutscht, habe es primär den Nachbarn zu verdanken: Deutschland, die Schweiz, die Slowakei und viele andere Ostländer hielten sich gut.

Wachstum heuer gering, 2014 kräftiger

Wifo und Institut für Höhere Studien (IHS) sehen Österreichs Wirtschaft heuer leicht um 0,4 bis 0,6 Prozent wachsen. Für 2014 setzen sie immer noch ein Anziehen auf 1,6 beziehungsweise 1,8 Prozent an, Prognosekürzungen häuften sich zuletzt aber wieder. Experten glauben, dass die Zeiten höherer Wachstumsraten auch nach dem Tiefpunkt für längere Zeit vorbei sind.

Mit jeder Progose, die für den Euroraum veröffentlicht werde, verflüchtige sich die Hoffnung auf einen baldigen Konjunkturaufschwung, schreibt die Notenbank-Chefökonomin Ritzberger-Grünwald. "Einmal Krise und zurück ... leider zur Krise und nicht zum Ausgangspunkt."

Probleme wie in Zypern hätten vor einigen Jahren lediglich lokale Aufmerksamkeit erregt, nun aber werde jeder wirtschaftspolitische Schritt so interpretiert, als ob morgen ganz Europa betroffen wäre. Besorgniserregend sei, dass nun auch Länder, die man früher ohne Zögern zum Kern gerechnet hätte, mit negativen Wachstumsraten aufhorchen ließen. Ebenso, dass selbst die "Klassenbesten" Deutschland und Österreich heuer, also sechs Jahre nach Beginn der Krise, das BIP-Niveau der Krise nur knapp übertreffen dürften.

Wahrscheinlich wird sich Österreich mittelfristig auf ein Umfeld gedämpfter und schwankender Nachfrage einstellen müssen, und vor dem Hintergrund seien reale Wachstumsraten der österreichischen Volkswirtschaft von etwa einem Prozent als normal anzusehen, schreibt der Wirtschaftsforscher Ulrich Schuh vom Institut Eco Austria im Wirtschaftsbericht.

Weil kein konjunktureller Rückenwind in Sicht sei, müsse die Wirtschaftspolitik vorkehren. Im Budget sei Spielraum für wachstumsfördernde Investitionen zu schaffen. Die Inflation im Land sei angesichts der Konjunkturlage deutlich überhöht, zu Deutschland betrage die Inflations-Differenz einen Prozentpunkt, was auf einen schleichenden Verlust von Wettbewerbsfähigkeit hindeute.

Anpassungsrezession

Europa sei in einer Anpassungsrezession, wobei Österreich anders als der Euroraum auch 2013 leicht wachsen werde, schreibt der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts, Karl Aiginger. Zwar sei die Arbeitslosigkeit in Österreich die niedrigste in Europa, aber für Österreich hoch und steigend, und das mittelfristige Wachstum zu schwach, um sie abzubauen.

Eine gute Nachricht sollte das nun verhandelte EU-USA-Freihandelsabkommen bergen: Für Österreich hält das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) daraus langfristig einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,7 Prozent für möglich.

Im Wirtschaftsbericht ist in den Beiträgen der Ökonomen viel von den laufenden Prognose-Rücknahmen die Rede. Für den Chefökonom der Bank Austria, Stefan Bruckbauer, war nach dem sehr schwachen Jahresbeginn klar, dass die Prognosen für praktisch alle Euroländer um einen Prozentpunkt zu hoch waren. "Wir haben nicht das globale Wachstum überschätzt, sondern die Wirkung der restriktiven Fiskalpolitik und die Verunsicherung von Investoren und Konsumenten unterschätzt."

Trotz weiterer "Enttäuschungspotenziale" (zum Beispiel Spanien) sei die Budgetkonsolidierung im Euroraum doch schon fortgeschritten, das werde von vielen unterschätzt. Auch Raiffeisen-Chefökonom Peter Brezinschek sieht das Konjunkturtal in Österreich seit dem vierten Quartal 2012 durchschritten.

Double-Dip

Für den Erste-Ökonomen Rainer Münz ist es nichts Neues, dass ständig die Prognosen über den Haufen geworfen werden. OECD, IWF und heimische Institute erwarteten in ihren Frühjahrsprogosen einen kleinen Aufschwung, der sich verfestigen sollte, und wenige Monate später würde nach unten revidiert, der Aufschwung ein Jahr verschoben. "So lief es 2011, 2012, und so lief es auch 2013."

Die Eurozone befinde sich längst in einem Double-Dip-Szenario, wenngleich das nicht für alle Länder gelte. Österreich stehe gut da, auch auf dem aktuell niedrigen Niveau. Ein Großteil der Firmen sei wettbewerbsfähig, der Staatshaushalt profitiere von steigenden Steuereinnahmen. Und von einem zentralen Problem der Krisenländer, der hohen Arbeitslosigkeit, sei Österreich nicht betroffen.

OeNB-Chefökonomin Ritzberger-Grünwald hält dagegen, dass "eine Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 50 Prozent nicht nur ein spanisches Problem ist, sondern uns alle angeht". (APA, 10.7.2013)

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    Finanzministerin Maria Fekter erklärt die Wirtschaft, ...

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    ... unter anderem gemeinsam mit Ministerkollege Rudolf Hundstorfer.

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