Wie man sich bettet am Beet

Kolumne17. Juli 2013, 17:07
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Für die Sitzplatzwahl im Garten gibt's ein eigenes Studium - Doch der beste Studienplatz für die Botanik bleibt ein simpler Sessel, meint Gregor Fauma

Einen Garten zu bestellen ist nicht weiters schwer. Man kauft sich ein Stück Scholle, ackert es einmal um und wartet, was der Wind so bringt. Binnen weniger Wochen hat man einen bunt blühenden Garten voller gesunder Wildpflanzen, die in ihrer Robustheit den Zuchtschönlingen weit überlegen sind. Die andere Variante wäre, sich ein Beet von Architekten und Landschaftsgestaltern designen zu lassen, sich dabei möglichst wenig einzumischen - man verstehe das ja eh nicht, müsse das mehr konzeptionell begreifen - und also abzuwarten, was so wird aus der Retorte.

Irgendwo in der Mitte spielen sich die meisten Gärten ab: Vorbildern bunter Gartenbücher nachempfunden, ein wenig eigene Note beigemischt, entstehen einander nicht unähnliche Gärten, Reih an Reih, getrennt von Thujenhecken und Eibenwänden. Wer sich davon abheben möchte, wem Distinktion ein Bedürfnis und kein Fremdwort ist, der kann das durch die Wahl des Gartenplatzerls beweisen. Das ist in Wahrheit die Königsdisziplin unter allen hortikulturellen Tätigkeiten. Bei den Angelsachsen gibt es sogar eine Studienrichtung, die sich ausschließlich mit der Frage nach dem optimalen Sitzplatz im Garten auseinandersetzt: Patio-with-Ratio heißt das Studium, es dauert sechs Semester, und man schließt mit dem Titel Constable of Patio ab. Die haben uns ganz schön was voraus, diese Angelsachsen!

Zu den heimischen, semialpinen Sitzplatzklassikern zählt das Bankerl vor dem Haus, direkt neben dem Eingang, schön an der Wand, und abends mit milder, untergehender Sonne beschienen. Dort rollen sich dann Hund und Katz zu Füßen, Topfpflanzen rahmen die Szene, und eventuell verströmt eine Lonicera, also Heckenkirsche, ihre Süße von der Hausmauer. Nicht schlecht.

Weinstöcke fürs Atmosphärische

Nicht weniger leiwand ist ein Metallpavillon aus den 1960er-Jahren, der von Glyzinien und Wisterien umrankt wird. In der Mitte befindet sich ein kleines Metalltischerl, rund herum stehen kleine Metallsessel, und das alles sieht sehr nett aus. So etwas ist halt nur unpraktisch, da es in der Regel keinen Blick auf den Garten freigibt. Da macht eine Pergola schon mehr Freude, wenn auch auf Kosten der Leiwandness. Vier Holzpfosten, ein Lattenrost als Dach und ein paar Weinstöcke fürs Atmosphärische, und schon wähnt man sich in der Toskana und genießt die nachmittägliche Hitze im Schatten.

Was gar nicht geht, sind Plastiksets aus Heimwerkermärkten: Plastikstühle, Plastiktische (oft mit Loch in der Mitte für einen Sonnenschirm), und schon ist der Garten verschandelt. Einfach nur hingestellt, bleiben diese Analogmöbel immer Fremdkörper und werden auf ihren Zweck - einen trockenen Hintern - reduziert.

Distinktionsgewinnler stellen sich hingegen einen hölzernen Armsessel mitten in die Rabatten und lassen ihn von Margeriten, Sonnenblumen oder Indianernesseln umwuchern und dadurch optisch verschwinden. Setzt man sich hinein, erschließt sich einem der Garten aus einer Perspektive, die ungewöhnlich aber spannend ist: auf Augenhöhe mit den Blüten, Aug in Aug mit den Käfern, einfach mittendrin statt nur dabei. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 12.7.2013)

  • Tipp zum besten Platzerl im Garten
Verfügt man über eine Blumenwiese, so kann man vier bis sechs Quadratmeter ungemäht belassen und eine Sonnenliege in dieses Beet stellen. Schnell hat man eine ausreichend hohe Wand aus Blumen und wird, geschützt vor den Blicken der Nachbarn, dem spritzweingekühlten Abend entgegendösen.
    foto: apa/britta pedersen

    Tipp zum besten Platzerl im Garten

    Verfügt man über eine Blumenwiese, so kann man vier bis sechs Quadratmeter ungemäht belassen und eine Sonnenliege in dieses Beet stellen. Schnell hat man eine ausreichend hohe Wand aus Blumen und wird, geschützt vor den Blicken der Nachbarn, dem spritzweingekühlten Abend entgegendösen.

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