Thronfolger von "Hugo" und "Aperol"

Kolumne16. Juli 2013, 17:06
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Hugo und Aperol wurden gestürzt - jetzt regiert Lillet, vernahm Luzia Schrampf

Wenn schon ständig zu lesen ist, dass Hugo und Aperol ausgedient haben, dann drängt die Frage: Was kommt jetzt? Manche stützen sich zu diesem Behufe auf Cocktail-Wettbewerbe, in denen gemixt wird, was vorher noch keiner zusammengerührt hat. Dass dabei gern Prosecco als Ersatz von Champagner in Cocktails propagiert wird, ist angesichts der Masse mäßigen bis minderwertigen Proseccos übrigens eine geschmackliche Niederlage. Der finanzielle Aspekt ist allerdings verständlich - Champagner kostet eben deutlich mehr als Prosecco.

Andere wieder orientierten sich lieber an Bestehendem und wurden nun nahe Bordeaux fündig: Lillet wird derzeit am häufigsten für die Thronfolge ins Spiel gebracht. Lillet [Lijee], wie er in Frankreich ausgesprochen wird, ist ein Mix aus Wein, der mit etwas Likör aus Zitrusfrüchten und -fruchtschalen und Chinarinde versetzt wird und erstmals 1872 entstand. Ende der 1980er Jahre soll der Produzent die Universität von Bordeaux bemüht haben, den ursprünglich bittersüßen Geschmack an heutige Vorlieben anzupassen und ihn so süffiger zu machen. Zusätzlich wurden eine rote und eine Rosé-Variante entwickelt.

Lillet Spritzer oder Tante Lilly

Wie man Lillet nun zu sich nimmt, variiert stark. Am häufigsten angepriesen wird derzeit die leichte Version Lillet Spritzer oder Tante Lilly: Lillet blanc und Eis bis auf etwa halbe Höhe wird mit etwas Holunderblütensirup (als Reminiszenz an Hugo?) und Soda aufgegossen und mit Gurke verziert oder mit Orangenscheiben, falls man der herben Gurke nichts abgewinnen kann. Substanzreicher wird die Sache, wenn Soda durch Sprudelndes à la Champagner ersetzt wird und der Holunderblütensirup durch einen Schuss Triple Sec. Die Orange darf bleiben.

Eine handfeste Variante liefert wieder einmal James Bond mit seinem Vesper, einem Cocktail aus drei Teilen Gin, einem Teil Wodka und einem halben Teil Lillet mit Zitronenschale. Als Bond ihn 1953 im Roman bestellt, war damit noch der alte, herbe Lillet gemeint. 2006 in Casino Royale musste Daniel Craig möglicherweise schon mit dem glattgebügelten Modernisten vorliebnehmen, getrunken hat er ihn trotzdem. 2011 schaffte es der Vesper schließlich in die offizielle Cocktail-Liste der International Bartenders Association. Egal ob als Vesper oder Tante Lilly - probierenswert ist der "Apéritif à base de vin" in jedem Fall. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 12.7.2013)

  • Lillet blanc und Eis bis auf etwa halbe Höhe wird mit etwas Holunderblütensirup und Soda aufgegossen und mit Gurke verziert oder mit Orangenscheiben, falls man der herben Gurke nichts abgewinnen kann.

    Lillet blanc und Eis bis auf etwa halbe Höhe wird mit etwas Holunderblütensirup und Soda aufgegossen und mit Gurke verziert oder mit Orangenscheiben, falls man der herben Gurke nichts abgewinnen kann.

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