Unterhose als Badehose

11. Juli 2013, 17:03
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"Aber ich habe nichts dabei", kommt mir nicht über die Lippen - Oder: Unvorstellbar, sich die Qual anzutun, mit durchnässter Unterbekleidung watschelnd den Heimweg anzutreten

Pro: Ein guter Schwiegersohn
Von Eric Frey

Ich muss hier eine Geschichte über meinen Schwiegervater erzählen, aus einer Zeit, als er dies noch nicht war. Er - ein Segler und eine Wasserratte - nahm mich damals mit seiner Tochter auf sein Segelboot in Kroatien mit, ein Katamaran, der sich mehr zum Ankern als zum Segeln eignete. Wir legten frühmorgens ab, und als wir die erste Bucht erreichten, blickte er mir in die Augen, erhob seinen Finger und sagte streng: "Eric, du warst heute noch nicht im Wasser."

Seither tu ich alles, um die inzwischen schwiegerväterlichen Erwartungen zu erfüllen, hüpfe selbst bei Frühlingswetter in jedes Wässerchen auf dem Weg, egal ob dieses auf Rot- oder Weißwein temperiert. Oft habe ich eine Badehose und ein kleines Handtuch im Gepäck. Doch was, wenn nicht? Nacktbaden ist nicht meins, und der Satz: "Aber ich habe nichts dabei", kommt mir nicht über die Lippen; das bin ich dem Alten schuldig. Da tut es die Unterhose allemal: vorher kein Umziehen, und im Wasser von einer echten Badehose nicht zu unterscheiden. Und was danach kommt? Ach, das trocknet.

Kontra: Stilvoll baden gehen
Von Michael Möseneder

Eines ist fix: Man muss ein ganz außergewöhnliches Maß an Verachtung für die unermessliche Schaffenskraft des menschlichen Geistes aufbringen, wenn man sich in Unterhose in die Fluten stürzt. Schließlich haben sich unsere Vorfahren nicht umsonst jahrtausendelang den Kopf zerbrochen, wie man stilvoll baden geht.

Gut, die ersten paar tausend Jahre war die Frage mangels Unterhosen noch nicht so drängend. Wer nicht mit triefender Toga zurück aus dem Meer waten wollte, sprang natürlich nackt hinein. Eine Option, die auch heute noch die einzig wahre ist, falls man überraschend mit der Aufforderung zur Wasserbenutzung konfrontiert wird.

Denn knapp 100 Jahre nach Erfindung der modernen Badehose, also der kleidungsmäßigen Trennung zwischen Wasser und Land, ist es unvorstellbar, sich die Qual anzutun, mit durchnässter Unterbekleidung watschelnd den Heimweg anzutreten. Denn im Übrigen trägt der Mann von Welt Boxershorts. Und die brauchen Stunden, um richtig zu trocknen. (Rondo, DER STANDARD, 12.7.2013)

  • Da tut es die Unterhose allemal: vorher kein Umziehen, und im Wasser von einer echten Badehose nicht zu unterscheiden. Und was danach kommt? Ach, das trocknet.
    foto: andrea maria dusl

    Da tut es die Unterhose allemal: vorher kein Umziehen, und im Wasser von einer echten Badehose nicht zu unterscheiden. Und was danach kommt? Ach, das trocknet.

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