Schnäppchenjäger nehmen Dayli ins Visier

9. Juli 2013, 18:12
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Mehr als 500 Standorte will Dayli erhalten. Damit kommt die Kette nicht durch, laut Experten zeichnen sich Konkurs und Verwertung ab

Wien - Das von Dayli angestrebte Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung droht zu scheitern. Der frühere Eigentümer und nunmehrige Geschäftsführer Rudolf Haberleitner wollte die Drogeriekette mit 529 Filialen fortführen. Masseverwalter Rudolf Mitterlehner und sein Team sollen dies ablehnen, erfuhr der Standard aus Konzernkreisen. Derzeit verfügt Dayli noch über 780 Shops. Doch da Martin Zieger, der alle Anteile um den symbolischen Euro kaufte, bisher keine neuen Investoren auftreiben konnte, sollen die Insolvenzverwalter auch für eine abgespeckte Version Daylis keiner finanzielle Basis mehr sehen. Dem Unternehmen drohen damit Konkursverfahren und Verwertung.

Mitterlehner weist zurück, dass Entscheidungen gefallen seien. "Dafür ist es zu früh." Er sei mitten im Prüfen, ob und in welcher Form sich Dayli fortführen lasse.

Dem Vernehmen nach soll ähnlich wie bei der erst kürzlich liquidierten Elektrohandelskette Niedermeyer agiert werden: Geplant sei, die am besten frequentierten Shops über einen gewissen Zeitraum am Laufen zu halten. Die in den übrigen Geschäften und Lagern verbliebene Ware soll dort abverkauft werden. Seit der Insolvenz ist die Kundenfrequenz allerdings auch in den letzten gut gehenden Nahversorgern um mehr als 35 Prozent gesunken. Mitterlehner dazu: "Es gibt derzeit keine Etappen oder Schließungspläne."

Investoren winken ab

Zieger hatte nie vor, viel eigenes Geld in den Neustart von Dayli zu investieren; er vertraute auf seine und Haberleitners Kontakte in der Kapitalmarktszene. Seit sich die Zweiteren als nicht stichhaltig erwiesen, soll sich die Freundschaft zwischen ihm und Haberleitner merklich abgekühlt haben, erzählen Beobachter. Haberleitner soll mit der Übertragung seiner Anteile an einen Vertrauten, wie berichtet, darauf gebaut haben, Dayli bei einer geglückten Sanierung in seine Hände zurückholen zu können. Auch Zieger erlebte bis dato bei etlichen Sanierern, die noch vor einem Jahr Interesse gezeigt hatten, Abfuhren. "Dayli ist nicht mehr zu retten", meint etwa der ehemalige Dm-Manager Manfred Laaber, der sich 2012 unter die Bieter für die österreichischen Schlecker-Märkte reihte. Er sieht zudem klare Versäumnisse der deutschen Schlecker-Insolvenzverwaltung: Sie habe die Konzepte Haberleitners nur unzureichend geprüft. Zu attraktiv sei es wohl gewesen, viel Arbeit und Probleme mit den Shops anderer Länder wie Italien und Polen, die Haberleitner gleich miterwarb, auf einen Schlag los zu sein.

Detail am Rande: Wie aus der Dayli-Zentrale zu hören ist, wollte Haberleitner bis zuletzt nicht wahrhaben, dass in allen operativen Angelegenheiten der Masseverwalter nun das Sagen hat. Worauf ihn dieser aus dem Betrieb hinauskomplimentierte.

Geschäftsführer Peter Krammer hält weiterhin die Stellung; er verweist auf den Masseverwalter als Sprachrohr und bemüht sich einmal mehr um Optimismus. Es gebe noch laufend Gespräche mit potenziellen Investoren. "Und wir hoffen, dass sie erfolgreich sind." Hinter den Kulissen stehen Interessenten für einzelne kleine Filialpakete schon Gewehr bei Fuß. Regionale Nahversorger wie Nah & Frisch oder M-Preis etwa gelten in der Branche als realistische Anwärter für einige Standorte. Dass Glücksspielriese Novomatic, der Dayli mit einem Kredit von zehn und einem Gesellschafterzuschuss von 15 Mio. Euro bedachte, Anrecht auf Geschäfte erhält, schließen Marktkenner wegen der sich auflösenden Mietverträge aus.

In Udine erwarten die Gewerkschaften der italienischen Dayli-Tochter mit ihren rund 1500 Mitarbeitern für heute, Mittwoch, den Konkurs. Die Firmenkassen sollen bis auf 850.000 Euro leer sein. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 10.7.2013)

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    Die Kundenfrequenz in den letzten gut bestückten Filialen brach seit der Insolvenz um ein Drittel ein, ist aus dem Konzern zu hören.

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