"Aussage gegen Aussage" beim Flutgipfel

9. Juli 2013, 18:41
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Nach dem Rückgang des Jahrhunderthochwassers sind vor allem im Eferdinger Becken viele Fragen aufgetaucht. Konkrete Antworten hofften Betroffene beim Hochwasser-Gipfel am Dienstag in Linz zu bekommen. Doch das Ergebnis fiel mager aus

Linz - Viel wurde in den letzten Tagen über das Gipfeltreffen rund um die Auswirkungen der Hochwasserkatastrophe insbesondere auf das Eferdinger Becken spekuliert: der Aufstand der Bürgermeister betroffener Gemeinden, der Verbund als Sündenbock und mittendrin das Land als möglicher Quell von Fehlinformationen.

Doch angekündigte Revolutionen finden meist nicht statt, und so verlief auch der Hochwasser-Gipfel am Dienstag im Linzer Landhaus ohne Höhepunkte. Das personelle Aufgebot war mit Vertretern von Land, Bund, Gemeindechefs, Spitzen des Bundesheers, der Polizei, der Feuerwehr und Gesandten des Verbunds zwar groß, doch informell brachte das Treffen wenig Neues. Auch nach Stunden im braunen Saal blieb eine Frage letztlich unbeantwortet: Warum ist es nicht gelungen, zahlreiche Bewohner im Eferdinger Becken rechtzeitig vor der großen Welle zu warnen?

Exakt an die Wehrbetriebsordnung gehalten

Denn an der, zuletzt immer wieder als lückenhaft bezeichneten, Informationskette kann es - schenkt man den Aussagen der Verantwortlichen Glauben - nicht gelegen haben. Die Vertreter des Kraftwerkbetreibers Verbund und der Via Donau betonten am Dienstag abermals, man habe sich mit der Öffnung der Schleusen in der Nacht von 3. auf 4. Juni "exakt an die Wehrbetriebsordnung gehalten" und entsprechende Daten auch weitergeben. Aber man sei "keine Behörde, sondern ein Wirtschaftsunternehmen".

Auch bei der zuständigen Behörde, im vorliegenden Fall die verantwortlichen Krisenstellen des Landes, will man "alle relevanten Informationen" stets an die Bezirke weitergegeben haben. Von der in den letzten Wochen mehrfach geäußerten Kritik des Landeskrisenstabes, man habe entscheidende Informationen vom Verbund nicht erhalten, war am Dienstag nicht mehr die Rede.

Ärger bei Bürgermeistern

Wenig mit der plötzlichen Einigkeit konnten beim Flutgipfel erwartungsgemäß die Bürgermeister anfangen: "Wir lassen uns jetzt sicher nicht den schwarzen Peter zuschieben. Wir haben keine Informationen bekommen", machte Waldings Bürgermeister Josef Eidenberger (SP) seinem Ärger Luft. Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) kontert: "Ich stelle fest: Es steht Aussage gegen Aussage. Information ist auch eine Holschuld."

Die Suche nach einem Schuldigen sei "bei solchen Katastrophen" zwar verständlich, aber es sei unverantwortlich, "populistisch hineinzublasen", setzt Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl (VP) nach. Zumindest eine neue Erkenntnis brachte das Treffen im Landhaus aber definitiv: Laut Experten suchte Anfang Juni ein 300-jährliches Hochwasser weite Teile Oberösterreichs heim. Womit sich aber eine neue Frage aufwirft: Der Machlanddamm hat seine Bewährungsprobe erfolgreich bestanden - obwohl er laut Plan maximal vor einem 100-jährlichen Hochwasser schützt. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 10.7.2013)

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    Viele Betroffene wurden vor den plötzlichen Wassermassen - im Bild die Mühlviertler Gemeinde Walding - völlig überrascht.

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