Österreicher um Medaillen

9. Juli 2013, 18:19
12 Postings

Gleich zu Saisonbeginn geht es für die Sportkletterer in Chamonix um EM-Titel - Jakob Schubert und Johanna Ernst mit guten Siegeschancen

Chamonix/Wien - "In Chamonix sind beim Weltcup im Finale bis zu 15.000 Zuschauer dabei", sagt Michael Schöpf, Sportmanager des Österreichischen Wettkletterverbandes (ÖWK). "Das ist für die Kletterer wie das Nightrace in Schladming oder wie die Abfahrt in Kitzbühel für die Skifahrer."

Im Skiort in den französischen Alpen findet ab Donnerstag diesmal nicht nur ein Weltcup, sondern gleich die Kletter-EM statt. Das dürfte die Fans der Sportkletterer, die sich so spektakulär wie beeindruckend die künstlichen Wände emporhanteln, erst recht nicht davon abhalten zu kommen. Die Medaillen werden in den Disziplinen Vorstieg und Speed vergeben. Im Vorstieg, dem gesicherten Klettern entlang einer vorgegebenen Route, zählen Jakob Schubert und Johanna Ernst zu den Favoriten.

Allroundkletterer Schubert, aktueller Weltmeister in dieser Disziplin sowie Gesamtweltcupsieger, hat sich klar den EM-Titel zum Ziel gesteckt. Dabei konzentrierte sich der 22-jährige Tiroler zuletzt auf die Disziplin Bouldern, also das ungesicherte Klettern in Absprunghöhe. "Jakob hat sein Training erst am 15. Juni wieder auf Vorstieg umgestellt", sagt Schöpf. Bis dahin hat Schubert erfolgreich Boulder-Wettkämpfe bestritten, im Weltcup ist er hinter dem Russen Dmitrii Scharafutdinow Zweiter. Dabei sind Vorstieg und Boulder so verschieden wie Abfahrt und Slalom. Schöpf: "Beim Bouldern geht es um Maximalkraft, Vorstieg ist eine Ausdauerdisziplin."

Die EM wurde aufgeteilt

Die EM ist gleich der erste wichtige Vorstieg-Wettkampf in dieser Saison, die Weltcupsaison beginnt erst danach. "Das ist aus der Not heraus entstanden", sagt Schöpf. Denn Eindhoven, das die EM mit allen Kletterdisziplinen ausrichten hätte sollen, wollte wegen finanzieller Probleme die Veranstaltung ganz zurücklegen. Erst nach Diskussionen einigte man sich darauf, die EM-Bewerbe zu splitten. Chamonix, traditionell am Vortag des französischen Nationalfeiertags am 14. Juli Gastgeber des Weltcupauftaktes, vergibt Medaillen im Vorstieg und im Speed. In Eindhoven fallen am
1. September die EM-Entscheidungen im Bouldern und in der Kombination.

Dass der noch immer boomende Sport mit rund 30 Millionen aktiven Kletterern Probleme bekommen könnte, glaubt Schöpf nicht. Wohl weist er aber auf die mangelnde TV-Präsenz und das Fehlen von globalen Unternehmen als Sponsoren hin. Die Hoffnung, dass Klettern 2020 olympisch wird, hat sich zerstreut. Klettern stand auf der sieben Sportarten umfassenden Shortlist für Neuaufnahmen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Liste auf drei Bewerber gekürzt: Squash, Baseball, Ringen.

Für Österreich ist das insofern schade, als das heimische Kletter-Team zu den besten der Welt zählt. Neben Schubert hat auch die 20-jährige Steirerin Johanna Ernst in Chamonix alle Titelchancen. Ernst wurde als 15-Jährige jüngste Europameisterin sowie ein Jahr später jüngste Weltmeisterin im Sportklettern, ehe sie sich auch auf Routen im Fels konzentrierte. Magdalena Röck sowie Katharina Posch, beide erst 18, ist ebenfalls viel zuzutrauen. Titelverteidigerin Angela Eiter fehlt, die vierfache Weltmeisterin konzentriert sich auf die World Games im August in Cali, Kolumbien. (David Krutzler, DER STANDARD, 10.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Johanna Ernst (20) kletterte zuletzt bei der WM 2012 in Paris zur Bronzemedaille.

Share if you care.