Niedrige Zinsen belasten Pensionszusagen

9. Juli 2013, 17:59
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Im Vorjahr steigerten die ATX-Prime-Unternehmen zwar ihr Eigenkapital, die niedrigen Zinsen erhöhen jedoch den Druck auf die Pensionszusagen

Wien - Die 38 Unternehmen, die 2012 im ATX-Prime an der Wiener Börse notierten, haben im Vorjahr 468.291 Menschen beschäftigt. Das sind um 7387 weniger als 2011. "Der Jobabbau zeigt die Nachwirkungen der Wirtschaftskrise", sagt Christoph Krischanitz, Geschäftsführer des finanzmathematischen Beratungsunternehmens Arithmetica. Den größten Personalabbau gab es bei den Finanzdienstleistern. Ihr Eigenkapital konnten die Unternehmen - auch durch den Abbau der Mitarbeiter - erhöhen, um 3,26 Prozent auf 82,5 Milliarden Euro.

Zu schaffen machte den Unternehmen allerdings die Niedrigzinssituation. Mehr als eine halbe Milliarde Euro kostete der aktuelle Niedrigzins die ATX-Prime-Unternehmen nur aufgrund ihrer Pensionsverpflichtungen im Vorjahr. Geholfen hat den Betrieben im Vorjahr jedoch die von den Pensionskassen erwirtschaftete durchschnittliche Rendite von 8,4 Prozent, wodurch die Verluste teilweise wettgemacht werden konnten. Das zeigt die Arithmetica-ATX-Studie, die heuer zum neunten Mal durchgeführt wurde.

Nicht in der Bilanz

Die meisten börsennotierten Unternehmen in Österreich arbeiten sowohl mit beitrags- als auch leistungsorientierten Pensionszusagen. Der Unterschied für den Unternehmer: Beitragsorientierte Zusagen (etwas Pensionskassenlösungen oder die betriebliche Kollektivversicherung) scheinen in der Bilanz nicht auf. Für leistungsorientierte Zusagen (direkte Zusagen des Unternehmens) sind Rückstellungen zu bilden.

Die Höhe dieser Rückstellung hängt von der jeweiligen Zusage, der Lebenserwartung, dem Diskontzinssatz und der Anzahl der Mitarbeiter ab, die davon betroffen sind. "Das aktuelle Zinsniveau ist für langfristige Pensionsversprechen nicht günstig", fasst Krischanitz zusammen.

Verbesserungspotenzial sieht Arithmetica noch beim Risikomanagement. Die Risikoberichte der Unternehmen werden zwar von Jahr zu Jahr umfangreicher. 25 Prozent der Unternehmen geben aber nicht bekannt, wie sie ihre Risiken messen und nicht jeder Betrieb nennt einen Verantwortlichen für das Risikomanagement.

Das größte Risiko sehen die Unternehmen im Währungsrisiko. Generell werden die Gefahren des Finanzmarktes (Liquiditäts-, Zinsänderungs-, Kreditrisiko) derzeit am häufigsten genannt. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 10.7.2013)

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    Die niedrigen Zinsen werden zur Belastung für die an der Wiener Börse notierten Unternehmen.

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