Hunger unter Wiens Turmfalken

9. Juli 2013, 17:27
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2013 ist ein schlechtes Jahr für die Turmfalken von Wien. Der lange Winter und die Regenzeit im Frühjahr haben den Greifvögeln zugesetzt. "Was an Nahrung in der Stadt vorhanden ist, hatte nämlich ebenfalls Probleme, die Zeit zu überstehen", sagt die Zoologin Anita Gamauf vom Naturhistorischen Museum Wien (NHM). Das Wasser habe sogar die Höhlen der Mäuse überschwemmt, die die Parks bevölkern und ganz oben auf der Speisekarte des Turmfalken stehen. Auch jenen Insektenpopulationen, die für die Vögel interessant sind, ging es nicht besonders gut. So war es nicht weiter erstaunlich, dass vergangene Woche bei der medienwirksamen Bergung eines Turmfalkennestes von der Fassade des Museums nur zwei lebende Turmfalkenjungen geborgen wurden, die noch dazu von Parasiten übersät waren. Eines war bereits vorher offenkundig aufgrund von Unterernährung gestorben.

Die wenige Wochen alten Jungvögel wurden beringt. Im Rahmen des Wiener Turmfalkenprojekts des Departments für Evolutionsbiologie der Uni Wien und des Naturhistorischen Museums will man die Wandergewohnheiten der Tiere detektieren. Bei einigen Brutplätzen wurden Empfänger montiert, um zu registrieren, wenn sich beringte Turmfalken niederlassen. Die Forscher gehen von 380 bis 450 Brutpaaren aus. "Wir wollen wissen: Wo brüten sie, was fressen sie?" sagt Gamauf über das von der Biologin Petra Sumasgutner initiierte Projekt.

Ein Nistplatz wie auf dem Naturhistorischen Museum ist nicht unüblich. Er bietet genug Raum und ist andererseits so versteckt, dass er gegen Feinde leicht verteidigt werden kann. Turmfalken nisten aber auch in Dächern. Die in Wien häufigen Dachausbauten sind daher ein Problem für die Tiere. (pi, DER STANDARD, 10.7.2013)

  • Wiens Turmfalken haben schon bessere Zeiten erlebt: 2013 ist ein schlechtes Jahr für sie.
    foto: karl leitner

    Wiens Turmfalken haben schon bessere Zeiten erlebt: 2013 ist ein schlechtes Jahr für sie.

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