Schädel-Hirn-Trauma: Kinder müssen in die richtige Klinik

9. Juli 2013, 16:43
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Täglich erleiden 200 Kinder und Jugendliche in Deutschland ein Schädel-Hirn-Trauma - Mehr als 90 Prozent verheilen ohne Schäden, doch ein Kind pro Tag stirbt an den Folgen

Mehr als 280.000 Menschen in Deutschland erleiden jedes Jahr ein Schädel-Hirn-Trauma, darunter etwa 73.000 Kinder und Jugendliche. Die Verletzungen haben ganz unterschiedliche Schweregrade. Ein Großteil der jungen Patienten erholt sich vollständig, dennoch ist täglich ein Todesfall zu beklagen.

"Entscheidend ist aber der rasche, qualifizierte und vor allem gezielte Transport in die richtige Klinik", sat Gerhard Jorch, Präsidiumsmitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). "Das muss nicht unbedingt das nächstgelegene Krankenhaus sein."

 Wesentlich: moderne bildgebende Verfahren

Die anzusteuernde Klinik sollte unbedingt bestimmte Voraussetzungen erfüllen: dazu gehören ein Computer- oder Kernspintomograf und eine neurochirurgische Operationseinheit sowie die Möglichkeit einer kinderintensivmedizinischen Betreuung.

"Nur mit den modernen bildgebenden Verfahren ist eine Blutung im Gehirn nachweisbar", sagt der Experte, der auch Direktor der Universitätskinderklinik in Magdeburg ist. "Die Bildung eines Blutergusses ist zwar eine lebensbedrohliche, aber auf einer neurochirurgischen Station behandelbare Komplikation."

Durch den Bluterguss kommt es zu einem Druckanstieg und einer Drosselung der Hirndurchblutung. Mit Hilfe einer rechtzeitigen Operation ist es möglich, den Erguss auszuräumen und den Druck von der Schädelhöhle zu nehmen.

Worauf es zu achten gilt

Bei Kindern und Jugendlichen, die nach einem Schädel-Hirn-Trauma unter folgenden Symptomen leiden, sollte unbedingt sofort der Notarzt gerufen werden, damit man sie in eine Klinik mit entsprechender Ausstattung transportieren kann:

  • wenn ihr Bewusstsein getrübt ist oder wenn es zu einer zunehmenden Eintrübung des Bewusstseins kommt
  • nach einem Aufprall mit einer Geschwindigkeit, die höher war als 30 Stundenkilometer
  • nach einem Sturz aus über drei Meter Höhe
  • wenn Betroffene schwere äußere Schädelverletzungen aufweisen

Allerdings sind nicht immer und sofort alarmierende Alarmzeichen zu sehen oder zu erkennen. Eltern und Erziehungsberechtigte sollten deshalb nach einem Schädelaufprall auf folgende Symptome achten und dann auf jeden Fall doch zu einem Arzt gehen:

  • eine äußere Schädelverletzung, die über einen kleinen Bluterguss an der Stirn hinausgeht
  • bei Erbrechen, vor allem, wenn es mehrfach erfolgt
  • bei starken und zunehmenden Kopfschmerzen
  • bei auffälligen Verhaltens- und Wesensveränderungen nach dem Unfall
  • bei neurologischen Symptomen wie Gefühlsstörungen oder Lähmungen
  • bei einer vorbestehenden Gerinnungsstörung
  • bei Schielen oder anderen Auffälligkeiten der Augenstellung
  • bei Verdacht auf Kindesmisshandlung

"Wer richtig und schnell reagiert, kann auf jeden Fall Leben retten", sagt die DIVI-Präsidentin Elke Muhl, Fachärztin für Chirurgie am Universitätsklinikum in Lübeck. "Dass Kinder und Jugendliche mit einem Schädel-Hirn-Trauma sofort in die richtige Klinik gebracht werden, sollte genauso selbstverständlich sein, wie der Besuch einer Augenklinik nach einer Augenverletzung." Hirnblutungen, die durch moderne bildgebende Verfahren erkannt und anschließend intensivmedizinisch betreut werden, hätten heute gute Chancen vollständig abzuheilen. (red, derStandard.at, 9.7.2013)

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