"Meister ersten Ranges"

9. Juli 2013, 17:32
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Alfred Kubin war von der Sammlung Prinzhorn angetan. Die Landesgalerie in Linz präsentiert diese Arbeiten unter dem Titel "Geistesfrische"

Linz - "Gänzlich zusammenhanglose Texte, aber sehr großer Reichtum an ornamentaler Erfindung, darunter Vögel, Fische. Das Ganze höchst anregend." Die Sammlung des Kunsthistorikers und Arztes Hans Prinzhorn beeindruckte Alfred Kubin, wie er in einem Essay für Das Kunstblatt 1922 unter dem Titel Kunst der Irren festhielt - insgesamt beschrieb er die Blätter von 13 Künstlern.

Nur mit einem, "einem Berufskünstler, einem schizophrenen Architekten", tat er sich offenkundig schwer: "Dieser war der uninteressanteste von allen mit seiner geklügelten Auffassung und der unangenehmen technischen Ausbildung." Kubin beschrieb knapp und klar, kommentierte das Gesehene, verglich: "Diese Sachen erinnern zum Teil an Paul Klee und hätten ihn gewiss interessiert", schrieb er etwa über die kleinen Gemälde von Oskar Herzberg und "ein Expressionist aus den achtziger Jahren" über die mit Wasserfarben gemalten und an Küstenlandschaften erinnernden Blätter eines Seeoffiziers.

Gabriele Spindler, Direktorin der Oberösterreichischen Landesgalerie, freut sich, diese von Kubin beschriebenen Arbeiten endlich einmal auch ausstellen zu können. Vor allem, wenn sie unter dem Titel Geistesfrische gemeinsam mit Arbeiten von Kubin zu sehen sind: etwa die selten vollständig gezeigte Hans-von-Weber-Mappe (1903), in der sich der Zeichner mit Angst, Grausen oder Tod auseinandersetzt.

Das Interesse an den Abgründen menschlichen Daseins bestand bei Kubin früh und ohne dass er die Arbeiten der Psychiatriepatienten kannte. Umso frappierender manche Details, mit denen Kubin wie auch etwa der gelernte Kunstschmied Franz Karl Bühler an Bestien und wilde Tiere gemahnende Wesen zeichnete. Kubin waren die Arbeiten Bühlers wohl am nächsten: "Die urwüchsige Erfindungskraft spricht für einen Meister ersten Ranges", schrieb er in seinem Essay, der übrigens mit einer Forderung nach einer permanenten Ausstellung der Arbeiten endet: "Dann könnte von dieser Stätte, wo gesammelt wurde, was Geisteskranke schufen, Geistesfrische ausströmen." (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 10.7.2013) 

  • "Urwüchsige Erfindungskraft": Kreideblatt von Franz Karl Bühler, um 1909-1916.
    foto: sammlung prinzhorn, universitätsklinikum heidelberg

    "Urwüchsige Erfindungskraft": Kreideblatt von Franz Karl Bühler, um 1909-1916.

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