Der Muse und der Heimat Küsse

9. Juli 2013, 17:00
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Warum Olivier Dubois und Akram Khan besessen sind

Die Muse wohnt im Körper des Künstlers. Aber dort ist sie natürlich eine Fremde. Sie hat jemanden besetzt und kann eine Besessenheit auslösen. Wozu das führt, zeigte einst Spike Jonzes Film Being John Malkovich. Jetzt erfährt man es bei Impulstanz im Odeon auf eine ganz andere Art: in dem Tanzstück Prêt à baiser (Bereit zu küssen) des Franzosen Olivier Dubois. Damit liefert der aufstrebende Choreograf seinen besonderen, leidenschaftlich abgründigen Kommentar zu dem Hundertjahresthema Le sacre du printemps: den versuchten Todeskuss einer unbehausten Muse, die sich mit dem bloßen Schutzgöttinnendasein nicht länger abfinden will.

Ebenfalls auf ein gefährliches Verhältnis lässt sich Akram Khan mit der Vivisektion des Heimatbegriffs in seinem Solo Desh ein. Dieses große autobiografische Bühnenformat – zu sehen im Burgtheater – zeigt in üppigen, poetischen Bildern, wie Herkunft und Heimat ein Individuum besetzen. Und wie die einstige bengalische Heimat der Familie des Briten diesen prägt: wie sie ihn als Marionette der eigenen Obsession tanzen lässt, auch wenn er in ihr nicht aufgewachsen ist. (ploe, Spezial, DER STANDARD, 10.7.2013)

Dieser Artikel entstand mit finanzieller Unterstützung von ImPulsTanz. Die inhaltliche Verantwortung liegt bei derStandard.at.

  • Wenn Olivier Dubois ins Museum geht, bleibt der Musenkuss nicht aus. In "Prêt à baiser" werden sogar Steinstatuen weich.
    foto: boris munger

    Wenn Olivier Dubois ins Museum geht, bleibt der Musenkuss nicht aus. In "Prêt à baiser" werden sogar Steinstatuen weich.

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