Hundehautwurm dringt nach Mitteleuropa vor

14. Juli 2013, 18:49
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Dirofilaria repens wurde erstmals in deutschen Stechmücken nachgewiesen - Ursachen für die Einwanderung: Klimawandel und die Einfuhr infizierter Hunde

Nicht nur menschliche Parasiten wie die asiatische Tigermücke, fühlen sich dank Klimawandel in unseren Breiten immer mehr heimisch. Auch unsere Nutz- und Haustiere lernen mittlerweile vermehrt Quälgeister kennen, mit denen sie bisher kaum zu tun hatten. Forscher haben nun erstmals in Deutschland Larven des Hundehautwurms Dirofilaria repens in Stechmücken nachgewiesen. Klimaveränderung und die Einfuhr infizierter Hunde aus Südeuropa können Ursachen für eine Etablierung dieses Parasiten sein, der bislang in Zentraleuropa nicht heimisch war. In seltenen Fällen übertragen Stechmücken die Infektion auch auf den Menschen.

Rund 75.000 Stechmücken aus 55 Fangorten haben die Wissenschafter vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) im Rahmen eines deutschlandweiten Mückenprojekts gesammelt und unter die Lupe genommen. Die Forscher klassifizierten die Mücken und untersuchten diese anschließend auf Parasiten. In drei Stechmückenarten aus Brandenburg identifizierten sie wiederholt Dirofilaria repens. "Es ist das erste Mal, dass in Deutschland im großen Maßstab Stechmücken auf Parasiten untersucht werden", sagt Egbert Tannich vom BNI. Durch die großangelegte Überwachung können Wissenschafter rechtzeitig vor einer Ausbreitung von Infektionserregern warnen und möglicherweise eine Ausbreitung verhindern.

Klimawandel und Hunde-Import

Die in Brandenburg gefundenen Parasiten werden als Larven von verschiedenen Stechmücken übertragen. Hauptreservoir der Larven sind Hunde, aber auch wild lebende Tiere wie Marder oder Füchse. In ihnen entwickeln sich die Larven zu geschlechtsreifen Würmern. Infektionen mit Dirofilaria repens (Kutane Dirofilariose) sind in Südeuropa sowie in vielen Ländern Afrikas und Asiens endemisch.

In den letzten Jahren erschienen immer häufiger Berichte über autochthone – vor Ort erworbene – Infektionen in weiter nördlich gelegenen Ländern wie Österreich, Tschechien oder Polen und neuerdings auch bei Hunden in Deutschland. "Offenbar ermöglichen Klimaveränderung und insbesondere die vereinfachte Einfuhr infizierter Hunde aus Südeuropa die Etablierung der Infektion auch in Zentraleuropa", vermutet Tannich.

Die Dauer der Entwicklung infektionstüchtiger Larven in den Stechmücken ist temperaturabhängig und liegt zwischen zehn und 30 Tagen. Da Stechmücken durchschnittlich weniger als 30 Tage leben, galt Deutschland bislang aufgrund der klimatischen Bedingungen als nicht gefährdete Region. "In unserem Institut wurden in den letzten Jahren etwa 30 Fälle dieser Fadenwurm-Infektion beim Menschen nachgewiesen – alle Fälle standen im Zusammenhang mit Auslandsreisen", erläutert Tannich.

Kürzere Larvenentwicklung im Sommer

Neuere Klimaprojektionen haben ergeben, dass auch in Deutschland zumindest in den Sommermonaten Juli und August eine Entwicklung von Larven in den Stechmücken in ausreichend kurzer Zeit gegeben ist. "Da wir den Parasiten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gefunden haben, liegt der Verdacht nahe, dass zumindest in Brandenburg bereits eine stabile Übertragung stattfindet." Umso wichtiger sei es, dass Tierärzte möglichst viele infizierte Hunde identifizieren, um sie entsprechend zu behandeln und so eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern, betont Tannich. Denn unbehandelte Hunde können den Parasiten bis zu sieben Jahre in sich tragen. (red, derStandard.at, 14.07.2013)

  • Parasitäre Würmer der Gattung Dirofilaria treten auch bei Menschen auf. Dirofilaria repens befällt hauptsächlich Hunde; nur in seltenen Fällen übertragen Stechmücken die Infektion auch auf den Menschen.
    foto: cdc/phil

    Parasitäre Würmer der Gattung Dirofilaria treten auch bei Menschen auf. Dirofilaria repens befällt hauptsächlich Hunde; nur in seltenen Fällen übertragen Stechmücken die Infektion auch auf den Menschen.

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