Räikkönen-Entscheidung naht - Pirelli-Kritik an FIA

9. Juli 2013, 13:31
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Finne heißer Kandidat auf Red Bull-Cockpit - Ecclestone verschärft Sicherheitsvorkehrungen in Boxengasse - Pirelli prangert Uneinigkeit der Teams und FIA-Regeln an

Der frühere Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen aus Finnland soll noch in diesem Monat eine Entscheidung über einen möglichen Wechsel zu Sebastian Vettels Red-Bull-Team treffen. Das sagte sein aktueller Lotus-Teamchef Eric Boullier der BBC. "Wir diskutieren noch über unser technisches Paket für die nächste Saison", sagte der Franzose, eine Entscheidung erwarte er "vor August". Räikkönen ist ein heißer Kandidat auf die Nachfolge von Vettels scheidendem Teamkollegen Mark Webber (Australien).

Zudem bestätigte Boullier die Gerüchte, dass Lotus zuletzt mit den Gehaltszahlungen an Räikkönen in Rückstand geraten war. "Es wurde spät gezahlt, ja. Aber es wurde bezahlt, das müssen wir tun, wenn wir ihn behalten wollen", sagte Boullier. Mittlerweile habe der Finne all sein Geld bekommen.

Boullier ist zuversichtlich, dass Räikkönen auch 2014 in einem Lotus sitzen wird. "Zwei Jahre in Folge haben wir die Lücke zu Red Bull immer mehr geschlossen", sagte der 39-Jährige: "Er will jetzt wissen, ob wir das weiterhin schaffen. Es gibt Vorteile daran, zu Red Bull zu gehen, es gibt aber auch Nachteile."

Beim Großen Preis von Deutschland am vergangenen Sonntag hatte sich Lotus in starker Form präsentiert, Räikkönen und Teamkollege Romain Grosjean (Frankreich) belegten die Plätze zwei und drei und setzten Sieger Vettel bis zur letzten Runde stark unter Druck. In der WM-Wertung ist Räikkönen mit 116 Punkten Dritter hinter dem Spanier Fernando Alonso (123) im Ferrari und Vettel (157).

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat angesichts der Verletzung eines Kameramanns in der Boxengasse beim Großen Preis von Deutschland angekündigt, die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen. "In Zukunft werden alle unsere Kamerateams nur noch von der Boxenmauer filmen dürfen", sagte der 82-Jährige der BBC. Am Sonntag hatte sich ein Hinterrad vom Auto des Red-Bull-Piloten Mark Webber gelöst und den Briten Paul Allen von der offiziellen Formel-1-Produktionsfirma FOM getroffen.

Der Kameramann erlitt Rippenbrüche und einen Bruch des Schlüsselbeins. "Ich stehe in engem Kontakt zu allen Beteiligten. Es klingt furchtbar, aber so etwas passiert. Der Reifen hätte jeden treffen können. Der Kameramann hat einfach zur falschen Zeit in die falsche Richtung geguckt", sagte Ecclestone.

Pirelli-Motorsportdirektor Hembery vs. FIA

Nach dramatischen Wochen in der Formel 1 mit den Reifenplatzern in Silverstone als Höhepunkt hat Pirelli die Uneinigkeit unter den Teams kritisiert und weitreichende Veränderungen gefordert. "Die Paranoia unter den Teams ist groß, weil der Wettbewerb groß ist. An gewissen Punkten muss man darüber hinwegkommen, damit wir unseren Job ordentlich machen können", sagte Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery dem britischen Formel-1-Reporter James Allen: "Dazu muss sich der Prozess der Entscheidungsfindung ändern."

Der Brite kritisierte, dass Pirelli die Zustimmung aller Rennställe braucht, um während der Saison Änderungen an der Spezifikation der Reifen vornehmen zu können. Bereits Anfang Juni wollte der Hersteller neue Reifen einführen, dies scheiterte aber am Veto einiger Teams. Ende des Monats kam es dann zu den Reifenplatzern beim Großen Preis von England.

"In den meisten Serien, die wir ausrüsten, beschließt man derartige Änderungen in Abstimmung mit dem technischen Partner. Das ist in diesem Fall die FIA", sagte Hembery: "Der FIA und Pirelli ist es egal, wer gewinnt, wir sind also die einzig Unabhängigen, die so etwas entscheiden können. Einigkeit zwischen den Teams wird es nie geben."

Doch nicht nur diese Zuständigkeiten sind Pirelli ein Dorn im Auge, auch das Verbot von Testfahrten stört Hembery nach wie vor. "Es klingt furchtbar, aber der beste Reifentest, den wir in drei Jahren hatten, war der mit Mercedes in Barcelona", sagte der Brite und nahm Bezug auf den vom Sportgericht der FIA sanktionierten Test im Mai: "Nur dort hatten wir repräsentative Autos, repräsentative Fahrer, die professionell gearbeitet haben und uns exakt geben konnten, was wir wollten. Da muss sich also etwas ändern." (sid/red, 9.7.2013)

  • Ob Räikkönen zu Red Bull wechselt oder bei Lotus bleibt, sollte sich in Bälde weisen.
    foto: epa/srdjan suki

    Ob Räikkönen zu Red Bull wechselt oder bei Lotus bleibt, sollte sich in Bälde weisen.

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