Extrem kalte Trümmerscheiben ohne Staub entdeckt

12. Juli 2013, 12:42
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Forscher beobachten Sterne mit außergewöhnlichen Staubgürteln

Jena - Trümmerscheiben sind aus unzähligen Staubteilchen und Materiebrocken bestehende Gürtel, die um einen zentralen Stern kreisen. In den Überresten der Planetenentstehung versammelt sich das restliche, nicht verwendete Baumaterial. Auch in unserem Sonnensystem gibt es derartige Trümmergürtel: der Asteroidengürtel und der Kuipergürtel mit Pluto als wohl bekanntestem Objekt.

Nun hat ein internationales Forscherteam um Alexander Krivov von der Friedrich-Schiller-Universität Jena sechs sonnenähnliche Sterne mit außergewöhnlichen Staubgürteln beobachtet. Dies gelang mit Hilfe des "Herschel"-Weltraumtelskops, das sich seit dem Frühjahr planmäßig im Ruhezustand befindet.

Extreme Kälte und fehlender Staub

Die neu entdeckten Trümmerscheiben sind nicht nur größer als der Kuipergürtel, sie sind vor allem extrem kalt. Mit einer Temperatur von etwa minus 250 Grad Celsius sind es die kältesten bisher bekannten Trümmerscheiben, berichten die Astrophysiker im Fachblatt "The Astrophysical Journal". Mysteriös ist auch, dass den sechs Trümmerscheiben der charakteristische Staub fehlt, der durch die Kollisionen der Gesteinsbrocken entsteht. Den Berechnungen zufolge liegt der Durchmesser der Teilchen zwischen einigen Millimetern bis maximal einigen Kilometern. "Gäbe es noch größere Objekte, wären die Scheiben viel dynamischer, die Körper würden kollidieren und somit Staub erzeugen", so Krivov. 

Zudem hat in den Trümmerscheiben das Wachstum zu Planeten frühzeitig gestoppt – noch bevor Körper in der Größe von Asteroiden oder gar Zwergplaneten entstehen konnten. Warum die Entwicklung stoppte, wissen die Forscher nicht. Doch die kalten Trümmerscheiben seien ein Beweis, dass solche Gürtel über Milliarden Jahre hinweg bestehen können.

Ganz ausgeschlossen werden könne zwar nicht, dass die vermeintlichen Trümmerscheiben eigentlich weit entfernte Hintergrundgalaxien sind, die sich zufällig hinter dem zentralen Stern befinden. "Unsere Untersuchungen zeigen aber, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrheitlich um echte Scheiben handelt", ist sich Krivov sicher. (red, derStandard.at, 12.7.2013)

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