Oppositionschef mit langem Stammbaum

Kopf des Tages8. Juli 2013, 18:25
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Ahmad al-Jarba ist Chef der "Syrian National Coalition"

Eine geplante erste Stellungnahme sagte der neue syrische Oppositionschef wegen der Situation in Homs ab: Die syrischen Truppen sind dabei, die Stadt zurückzuerobern und erzielten gerade am Samstag, als Ahmad al-Assi al-Jarba in Istanbul zum Chef der "National Syrian Coalition" gewählt wurde, einen Durchbruch. In seinem ersten Interview sagte Jarba dann, dass er erwarte, dass Saudi-Arabien bald jene hochwertigen Waffen liefern werde, die die Rebellen so dringend gegen die Assad-Truppen brauchen. Er hält mit seinen guten Verbindungen zu Riad also nicht hinterm Berg. Seine Wahl war eine Niederlage für Katar, das den Kandidaten Mustafa al-Sabbagh favorisierte.

Jarba spendete nach seiner Wahl 250.000 US-Dollar aus eigener Tasche für die humanitäre Hilfe in Homs. Der 44-Jährige ist als Vertreter eines der größten und reichsten Stämme gewiss kein armer Mann. Die Shammar, eine riesige Stammeskonföderation mit Millionen Mitgliedern in Saudi-Arabien, Irak, Syrien, aber auch in Kuwait und Jordanien, führen ihre Ursprünge bis in die vorislamische Zeit zurück, auf den Stamm der Tayy im Jemen. Ihre goldene Periode hatten die Shammar Mitte des 19. Jahrhunderts im heute saudi-arabischen Najd. Dann gerieten sie unter Druck der sich ausbreitenden Wahhabiten.

Die Shammar al-Jarba sind Sunniten, während ein Zweig im Irak im 19. Jahrhundert zur Schia konvertierte. Im Dreiländereck zwischen der Türkei, dem Irak und Syrien, der Provinz Hasaka, wo Jarba 1969 geboren wurde, leben nicht nur Araber, sondern auch Kurden. Diese multiethnische Umgebung, gepaart mit einem traditionalistischen Islam, dem Fanatismus fremd ist, verleiht Jarba jene ideologische Offenheit, die ein syrischer Oppositionschef unbedingt braucht, um als integrative Figur glaubwürdig zu sein. Jarba gehört auch zur Oppositionsgruppe des pragmatischen Michel Kilo, der von Hardlinern kritisiert wird, weil er lange die Verständigung mit Bashar al-Assad suchte.

Jarba schloss sich 2011 dem Aufstand gegen Assad sofort an; bevor er Syrien verließ, war er in Haft. Saudi-Arabien soll daran mitgewirkt haben, dass er wieder freikommt. Auch schon unter Hafiz al-Assad, dem Vater des jetzigen Präsidenten, war er zwei Jahre lang eingesperrt. Manche sagen, damals sei es nicht um Politik gegangen, sondern um illegale Geschäfte - genauer gesagt Schmuggel - seines Stammes. Das kann aber sehr gut auch Regimepropaganda sein. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 9.7.2013)

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    foto: epa/enes kanli / anadolu agency
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