Mögliche neue Therapien für Darmkrebs

8. Juli 2013, 17:54
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Deutsche Forscher untersuchten anhand von Mäusen, wie sich gutartiges Zellwachstum in bösartigen Krebs verwandelt

München - Jedes Jahr erkranken mehr als eine Million Menschen weltweit an Darmkrebs, der eine der häufigsten Krebsarten ist. Bei jedem zehnten Darmtumor liegt eine Mutation im sogenannten BRAF-Gen vor, das häufig auch beim Melanom (schwarzer Hautkrebs) mutiert ist. Während beim Melanom eine therapeutische Hemmung des mutierten BRAF bereits erfolgreich eingesetzt wird, war eine entsprechende Behandlung beim Darmkrebs bisher wirkungslos. 

Tumor-Gen in Mäusen implantiert

Ein gemeinsames Forscherteam des Klinikum rechts der Isar und des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg untersuchte die Entstehung von BRAF-assoziiertem Darmkrebs in Mäusen. Es ersetzte dabei das BRAF-Gen in den Tieren mit einer mutierten Genversion, die bei menschlichen Tumoren vorkommt. Mäuse mit dem mutierten BRAF-Gen entwickelten zunächst hyperplastische Darmpolypen, die sich dann in bösartige Tumoren verwandelten.

"Unsere Forschung an genetisch manipulierten Mäusen zeigt, wie verschiedene Gene zusammenwirken um einen bestimmten Darmkrebs-Typ auszulösen. Wir haben entschlüsselt, wie molekulare Prozesse relativ gutartiges Zellwachstum in bösartigen Krebs verwandeln", sagt Forscher Roland Rad.

In den Tieren mit Mutation entdeckten er und seine Kollegen eine Reihe von genetischen Veränderungen, die sequentiell auftreten und die Entstehung von Darmkrebs in verschiedenen Entwicklungsstadien antreiben. Manche dieser Veränderungen aktivieren Gene wie BRAF, wodurch diese zu Krebsgenen werden. Andere Gene, die natürlicherweise die Krebsentstehung hemmen, werden hingegen inaktiviert.

Wirksame Medikamente entdeckt

Die Forscher untersuchten eine Vielzahl von Substanzen auf ihre Fähigkeit, das Wachstum von Tumoren der Maus und von menschlichen Darmkrebszellen zu hemmen. Sie fanden mehrere Medikamente, die allein oder in Kombination gute Wirkung zeigten. Dies ist ermutigend, weil dadurch auch potentielle Alternativ-Therapien zur Verfügung stehen, wenn sich Resistenzen gengenüber den zunächst eingesetzten Medikamenten entwickeln.

"Unsere Ergebnisse zeigen, wie man durch die Kombination von genetischer Information und der systematischen Suche nach Medikamenten neue zielgerichtete Behandlungsstrategien entwickeln kann," sagt Dieter Saur vom Klinikum rechts der Isar. "Unser Ziel ist es, die Krebstherapie in Zukunft bestmöglich auf die genetischen Veränderungen in den Tumoren des jeweiligen Patienten abzustimmen." (red, derStandard.at, 8.7.2013)

Original-Publikation:
A Genetic Progression Model of BrafV600E-Induced Intestinal Tumorigenesis Reveals Targets for Therapeutic Intervention, Cancer Cell (2013)

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