Arbeit am Samstag: Aus für Schranken im Handel

8. Juli 2013, 17:32
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Die rund 560.000 Handelsangestellten dürfen künftig an mehreren Samstagen hintereinander arbeiten

Wien - Die starren Regelungen müssen weg, mehr Flexibilität soll her: Mit dieser Kampfparole werben Interessenvertreter der großen österreichischen Handelsunternehmen seit Jahren für eine Neuregelung der geltenden Arbeitszeitmodelle. Am Montag haben die Sozialpartner in Wien einen Durchbruch bei ihren Gesprächen zu einem wichtigen Teilaspekt, der Samstagsbeschäftigung, präsentiert.

Ab September 2013 sollen die Beschäftigten im Handel wesentlich öfter zur Samstagarbeit herangezogen werden können. Die neue Vereinbarung zwischen Gewerkschaft und Wirtschaftskammer wird die bisher geltende "Schwarz-Weiß-Regelung" als Modell ablösen. Laut dieser Regel galt, dass Angestellte, Arbeiter und Lehrlinge, die in Verkaufsstellen an einem Samstag nach 13.00 Uhr beschäftigt werden, am darauffolgenden Samstag arbeitsfrei haben müssen. Das neue Arbeitszeitmodell der Sozialpartner sieht vor, dass die Mitarbeiter an jedem Samstag eingesetzt werden können.

Im Gegenzug dafür erhalten die Beschäftigten pro Jahr Anspruch auf zehn verlängerte Wochenenden. Konkret heißt dies zum Beispiel, dass eine Verkäuferin in einem Möbelhaus künftig von den 52 Samstagen pro Jahr 42 statt bisher 26 arbeiten kann.

Die neue Regelung ist mit einer wesentlichen Einschränkung verbunden: Das flexiblere Modell wird nur greifen, wenn sich Unternehmer mit den Mitarbeitern oder dem Betriebsrat auf eine Umstellung einigen.

Das flexible Modell dürfte vor allem für den Möbelfachhandel, die Textilbranche und den Automobilhandel interessant sein, wo Unternehmer in der Vergangenheit häufig geklagt haben, dass sie ihr Fachpersonal ausgerechnet an umsatzstarken Samstagen häufig freigeben müssen.

Die bisher geltenden strikten Regelungen hätten dazu geführt, dass viele Filialen an Wochenenden unterbesetzt waren, meint Fritz Magloth, der in Oberösterreich als Gebietsverkaufsleiter für mehrere XXX-Lutz-Filialen verantwortlich ist. "Mit dem neuen Modell können wir die kompetentesten Mitarbeiter künftig vermehrt einsetzen. Die Qualität der Beratung wird um 100 Prozent steigen", sagt Magloth.

Die Kehrseite der Medaille ist freilich, dass Betriebe versucht sein könnten, extra für den Samstag eingestellte Hilfskräfte nicht weiter zu beschäftigen. Aus Sicht der Unternehmer wäre das einer der großen Vorteile der neuen Regelung.

Furcht vor Kündigungen

Genaue Zahlen zu den ausschließlich an Samstagen eingesetzten Hilfskräften gibt es nicht, doch in vielen Branchen sind Wochenendaushilfen weit verbreitet. Bei der Lutz-Kette gibt Magloth an, dass rund zehn Prozent der 8500 Mitarbeiter in Österreich reine Samstagskräfte sind.

Die Gewerkschaft will keine Panikmache betreiben: "Welche Auswirkungen das neue Modell auf den Beschäftigungsstand im Handel haben wird, ist unklar", meint Manfred Wolf von der GPA. Allerdings wollen die Gewerkschafter die Regelungen gemeinsam mit der Wirtschaftskammer bis 2015 evaluieren. "Dass die Hilfskräfte verschwinden, darf natürlich nicht die Folge der Veränderungen sein", sagt Wolf.

Die in der Wirtschaftskammer (WKO) zuständige Spartenobfrau Bettina Lorentschitsch drängt unterdessen auf eine generelle Überarbeitung des Kollektivvertrages (KV) im Handel. So sollen die bestehenden Gehaltstafeln überarbeitet werden. Die Sozialpartner unterzeichneten am Montag einen Fahrplan für weitere Verhandlungen über eine Reform.

Einig sind sich Gewerkschaft und Wirtschaftskammer, dass an den strikten Regeln zur Sonntagsöffnung nicht gerüttelt werden soll. Laut Lorentschitsch sind mehr als 90 Prozent der Unternehmer, Arbeitnehmer und Kunden mit den derzeitigen Regelungen, wonach die Sonntagsöffnung für Geschäfte nur in Ausnahmefällen, etwa in der Umgebung von Bahnhöfen und Flughäfen, erlaubt ist, zufrieden. (András Szigetvari, DER STANDARD, 9.7.2013)

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    Mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit am Samstag soll Unternehmern und Angestellten zugutekommen, sagen Sozialpartner.

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