Neues implantierbares Herzinfarkt-Frühwarnsystem

8. Juli 2013, 15:22
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Mehrere "Mini-EKG"-Sensoren im Brustkorb sollen drohende Herzinfarkte möglichst früh erkennen - derzeit wird das System an mehr als 1.000 Patienten getestet

Freiburg - Plötzliche starke Schmerzen in der Brust, Atemnot, Schwindel, Schweißausbrüche – das sind die typischen Symptome eines Herzinfarktes. Dann heißt es, so schnell wie möglich ins Spital. Setzt die Behandlung im Herzkathederlabor innerhalb der ersten zwei Stunden ein, dann stehen die Chancen bei 90 Prozent, den betroffenen Herzmuskel zu erhalten. Umso wichtiger ist das für Patienten, die bereits ein vorgeschädigtes Herz haben oder bei, Patienten bei denen der Herzinfarkt stumm abläuft oder nicht mit den typischen Symptomen verbunden ist. 

Mini-EKG im Brustkorb

Um einen drohenden Herzinfarkt so bald wie möglich zu erkennen, entwickelte das Universitäts-Herzzentrums Freiburg - Bad Krozingen ein Frühwarnsystem. Es funktioniert wie eine Art Mini-EKG: Sensoren an verschiedenen Positionen rund um das Herz im Brustkorb verteilt, erzeugen im Brustkorb ein Mehrkanal-EKG, welches fortlaufend die Signale des Herzschlags analysiert. So kann das Gerät bereits die direkten Vorboten eines Herzinfarktes erkennen und den entsprechenden Alarm auslösen. Auf seinem Handempfänger erhält der Patient zudem konkrete Informationen und Anweisungen.

"Bei etwa einem Drittel aller Patienten verläuft der akute Herzinfarkt stumm, ebenso wie Frauen sehr häufig nur atypische Symptome wie Unwohlsein, Übelkeit und vegetative Symptome das Infarktereignis anzeigen und gerade Frauen deshalb oft viel zu spät ins Krankenhaus kommen. Für solche Menschen haben wir unser Wächtersystem entwickelt", sagt Manfred Zehender, Kardiologe des  Universitäts-Herzzentrums Freiburg - Bad Krozingen.

Deuticher medizinischer Nutzen

Bereits Mitte der 1990er Jahre brachte der Zehender die ersten Ideen zu Papier. Gemeinsam mit Partnern an mehreren US-amerikanischen Kliniken wurde auf dieser Basis ein implantierbares Gerät entwickelt, das mittlerweile im Rahmen einer groß angelegten Studie an mehr 1.000 Hochrisiko-Patienten weltweit verpflanzt wurde.

"Die Studie läuft zwar noch, aber bereits jetzt kristallisiert sich ein deutlicher medizinischer Nutzen heraus", so Zehender. Bereits über 50 Mal hat die Wächter-Technik zuverlässig einen Infarkt erkannt und zur raschen medizinischen Versorgung beigetragen; die betroffenen Patienten erlitten keine Folgeschäden. Außerdem, so Zehender, nehme das Gerät den Patienten ein Stück weit ihre Angst vor dem nächsten Infarkt: "Allein dadurch hat sich ihre Lebensqualität insgesamt deutlich verbessert." (red, derStandard.at, 8.7.2013)

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