Wiener Tierschutzverein bekräftigt Forderung nach mehr Geld

8. Juli 2013, 15:34
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Petrovic: "Wir sind im Moment randvoll" - Bauzustand des Tierschutzhauses verschlechtert sich "rapide" - Wiener SP versichert: Stadt immer gesprächsbereit

Wien/Vösendorf - Der Wiener Tierschutzverein hat am Montag seine Forderung nach einer "Anpassung" des Leistungsvertrages mit der Stadt bekräftigt. "Ja, wir wollen mehr Geld", sagte Vereinspräsidentin Madeleine Petrovic in einer Pressekonferenz. Einen Betrag wolle sie - angesichts der Verhandlungen mit dem Rathaus - nicht nennen. Der Tierschutzverein hat zuletzt wie berichtet den Vertrag mit der Stadt gekündigt, mit dem geregelt ist, wie viel die Gemeinde dem WTV zahlt, damit dieser entlaufene oder beschlagnahmte Tiere aufnimmt bzw. weitervermittelt.

Derzeit überweist die Stadt 750.000 Euro pro Jahr, berichtete Petrovic. Die Kosten würden sich insgesamt auf rund 5 Mio. Euro pro Jahr belaufen. Inzwischen habe sich die Verweildauer der Tiere im Vösendorfer Tierschutzhaus, das vom WTV betrieben wird, erhöht. Das hat laut Petrovic vor allem zwei Gründe: Zum einen würden immer mehr kranke Tiere importiert, die nicht leicht vermittelt werden könnten. Und auch der Hundeführschein (für sogenannte Kampfhunde, Anm.) habe dafür gesorgt, dass diese kaum mehr neue Besitzer finden würden.

Vertrag mit der Stadt mit 1. Jänner 2014 gekündigt

Der Vertrag mit der Stadt wurde per 1. Jänner 2014 gekündigt. Wobei Petrovic aber betonte: Einstellen wolle man die Aufnahme von Fundtieren oder beschlagnahmten Tieren nicht. Auch wenn das Haus - gerade derzeit in der Urlaubszeit - an die Grenzen seiner Kapazitäten stoße: "Wir sind im Moment randvoll." 1.800 Tiere sind in Vösendorf untergebracht, vor allem Hunde und Katzen, aber auch einige Exoten. Erst vor drei Tagen sei eine Baby-Boa-Constrictor gefunden worden. Kritik, dass der Verein sich auch um solche Arten kümmert, wies sie zurück: "Wohin sollen die denn sonst?"

Längst werden im Tierschutzhaus auch Pläne für eine Übersiedelung und einen Neubau gewälzt. Denn das Haus befindet sich am Gelände einer ehemaligen Raffinerie. Die nicht beseitigte Altlast ist überall präsent: Teer quillt aus dem Boden, Mauern sind sichtlich beschädigt. Der Bauzustand des Tierschutzhauses verschlechtere sich derzeit "rapide", wie Petrovic beklagte.

Neues Grundstück angeb

Auch in diesem Zusammenhang befindet man sich in Gesprächen mit der Stadt, die auch bereits ein neues Grundstück (ebenfalls in Vösendorf, Anm.) angeboten hat. Der WTV zeigt sich davon aber wenig begeistert - da dort Wohnhäuser sehr nahe liegen würden, wie die Vereinspräsidentin berichtete. Eine Sanierung der derzeitigen Liegenschaft kommt laut Petrovic nicht infrage. Die Kosten dafür seien zu hoch. Die Beseitigung der giftigen Altlast würde laut derzeitigen Schätzungen 100 Mio. Euro kosten.

Dass die Stadt eine eigene Tierschutzeinrichtung - das "TierQuarTier" - baut, stört die Chefin des Tierschutzvereins nicht, wie sie erklärte: "Zwei Tierheime für Wien sind sicher nicht zu viel." Das Quartier soll 2015 in der Donaustadt eröffnet werden.

Wiener SP versichert: Stadt immer gesprächsbereit

Die Stadt Wien hat am Montag via Aussendung versichert, dass sie nach der Kündigung des Leistungsvertrags durch den Tierschutzverein "immer gesprächsbereit" ist. Wobei der Tierschutzsprecher der Wiener SPÖ, Gerhard Spitzer, auch betonte, dass der Vertrag "all die Jahre" stets erfüllt worden sei. Derzeit werde intensiv nach einer Lösung der Betreuung nach Aufkündigung des Vertrages gesucht, hieß es. Dass die Lösung in einer Erhöhung der Subvention für den Tierschutzverein besteht, erscheint jedoch unwahrscheinlich.

"Der Vertrag mit dem WTV läuft nach Kündigung durch den WTV mit 1. Jänner 2014 ab. Diesen hat die Stadt immer penibel erfüllt, die Zahlungen haben sich seit 2007 nahezu verdoppelt", so Spitzer. Wurden im Jahr 2007 rund 461.000 Euro an den Verein bezahlt, seien es im Jahr 2012 schon 865.000 Euro gewesen. Alle laufenden Kostenersätze wurden wertgesichert und dementsprechend angepasst. Valorisierungen erfolgten laut Wiener SPÖ in den Jahren 2005, 2010 und 2012.

Zusatzleistungen

Zusätzlich zu den Zahlungen aus dem Leistungsvertrag gebe es freiwillige Zusatzleistungen vonseiten der Stadt in der Höhe von 71.000 Euro im Jahr. Auch um die desolate Immobilie habe man sich gekümmert: Im Jahr 2010 konnte durch eine einmalige Hilfe in der Höhe von 300.000 Euro die drohende Sperre von Betriebsteilen erfolgreich abgewendet werden, berichtete der SP-Politiker. Auch stehe zu dem von der Stadt angebotenen Grundstück noch eine Stellungnahme aus: Es gebe kein offizielles Feedback durch den WTV, obwohl das Grundstück alle Anforderungen erfülle.

Laut Spitzer werden die Zahlungen für die Tiere entsprechend den Tagen des tatsächlichen Aufenthalts abgegolten. Und er verwies auf Zahlen, wonach nach Inkrafttreten des Hundeführscheins nicht mehr, sondern weniger Listenhunde (auf der Liste stehende sogenannte Kampfhunde, Anm.) abgegeben werden.

"Uns geht es als Stadt Wien um die bestmögliche Versorgung von herrenlosen, entlaufenen und beschlagnahmten Tieren - das ist unsere gesetzliche Verpflichtung und die erfüllen wir natürlich", versicherte der SP-Tierschutzsprecher. Wie die Lösung nach dem Jahreswechsel aussehe, sei noch offen. Der Wunsch nach einer Erhöhung der Mittel für den Tierschutzverein dürfte sich aber eher nicht erfüllen: "Während alle anderen Auftragnehmer und Subventionsnehmer der Stadt in wirtschaftlich angespannten Zeiten mit gleichviel oder weniger Geld auskommen müssen, ist es schwer nachvollziehbar, warum der WTV angesichts der ohnehin durch die Indexierung erfolgte Erhöhung der Zahlungen künftig noch mehr Geld bekommen soll", stellte Spitzer klar. (APA, 8.7.2013)

Nachlese
Wiener Tierschutzverein kündigt Leistungsvertrag mit der Stadt - Aufnahme herrenloser Tiere im Vösendorfer Heim endet mit 1. Jänner 2014 - Petrovic will Geld für längere Verweildauer - Sima: "Lasse mich nicht erpressen"

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