Österreich gehört nicht zu den Innovativsten

8. Juli 2013, 13:06
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Österreich macht zu wenig aus relativ guten Voraussetzungungen und rutscht in einer Innovations-Rangliste auf Platz 23 ab

Wien - "Ja, wir sind wer: Die Schweiz ist das innovativste Land der Welt." Die Aargauer Zeitung feiert dieser Tage das Ergebnis des Global Innovation Index gebührend und hatte auch allen Grund dazu. Zum dritten Mal bereits schaffen es die Eidgenossen, ihre Position an der Spitze zu verteidigen. Dass hohe Berge für einen hohen Grad an Innovation nicht reichen, zeigt die Tatsache, dass Österreich in dieser Rangliste nur Platz 23 einnimmt. Damit rutschte Österreich im Vergleich zum Vorjahr sogar noch um einen Platz ab.

Geringer Output

Obwohl im Bereich Innovationsinput (dazu zählen u.a. Infrastruktur- und Ausbildungsvoraussetzungen) bessere Ergebnisse als im Durchschnitt erzielt wurden (60,6 von 100 Punkten) liegt die Innovationseffizienz bei nur 0,7 - Platz 98 vor Südafrika und Georgien. Grund dafür ist der vergleichsweise geringe Innovationsoutput (dazu gehören unter anderem der Anteil an High-Tech-Firmen und Exporten sowie die Zahl der Firmengründungen und Patentanmeldungen), hier konnten nur 43.2 von 100 Punkten erreicht werden. "Österreich nutzt die relativ gute Innovationsvoraussetzung völlig unzureichend aus", erläutert Klaus Hölbling, Partner und Geschäftsführer bei Booz & Company in Wien. "Im internationalen Vergleich zeigt Österreich einen relativ geringen Wirkungsgrad – ein klarer Wettbewerbsnachteil."

Speziell im Bereich der Digitalisierung und wissensbasierten Gesellschaft hat Österreich laut Studie noch Aufholbedarf. So liegt beispielsweise der Exportanteil von Kommunikations-, Computer- und Informationsgütern bei vergleichsweise geringen 6,5 Prozent (Platz 65). "Auch bei Firmengründungen liegt Österreich international, aber auch innerhalb Europas, klar zurück. Dies zeigt sich in den weniger als 0,6 Unternehmensgründungen pro 1.000 Einwohner, verglichen zu 2,5 in der Schweiz und 28 beim Spitzenreiter Hong Kong.

Ein weiterer Hemmschuh für Innovation: Das verfügbare Risikokapital (Venture Capital) hat sich in Österreich seit 2009 mehr als halbiert und da sich auch Banken aus diesem Segment weiter zurückziehen (Stichwort Basel III), stehen junge, innovative Unternehmen vor Finanzierungsproblemen in der Gründungs- und vor allem Wachstumsphase. Diese Lücke müsse geschlossen werden, um im internationalen Innovationswettbewerb wieder aufzuholen".

Norden schlägt sich gut

Auffallend gut schlagen sich in dem Ranking die Nordeuropäer: Auf Platz zwei bleibt Schweden, Finnland belegt den 6. Rang und Dänemark besiedelt Platz 9. Mit den Niederlanden (4) und Irland (10) belegten zwei weitere Länder aus Nordeuropa Top-10-Positionen. Großbritannien ist hingegen von Platz fünf auf Platz drei vorgestoßen. Mittendrin bewegen sich die USA (5), Hongkong (7) und Singapur (8). Damit sind die Top-10 des Vorjahres unter sich geblieben; das gilt auch für die Länder in den Top-25-Positionen.

Der Global Innovation Index (GII) misst die Innovationsfähigkeit und die Innovationsleistung der 142 bedeutendsten Volkswirtschaften. Der Index wird von der Cornell University, INSEAD und der World Property Organization in Zusammenarbeit mit Booz & Company und weiteren Partnern publiziert.

Untersucht werden anhand von 84 Kriterien die Rahmenbedingungen und die effektiv erzielte Innovationsleistung eines Landes. Dazu gehören etwa der Innovationsoutput, wie etwa Anteile an High-Tech-Firmen und -Exporten sowie die Zahl der Firmengründungen und Patentanmeldungen, Investitionen in Forschung & Entwicklung der Unternehmen, der Schwierigkeitsgrad bei Unternehmensgründung, politische Stabilität. (red, derStandard.at, 8.7.2013)

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    Viel Input, vergleichsweise wenig Output: So könnte man das Ergebnis des Innovationsrankings zusammenfassen.

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