Teenager in Almhütte starben an Kohlenmonoxid-Vergiftung

9. Juli 2013, 12:41
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Gastherme möglicherweise defekt - Obduktionsergebnis liegt vor - Polizei schließt Fremdverschulden aus

Mauterndorf - Nach dem Unglück in einer privaten Almhütte in Mauterndorf im Salzburger Lungau, bei dem zwei Jugendliche durch eine Kohlenmonoxid-Vergiftung ums Leben gekommen sind, laufen die Ermittlungen nach der Ursache des Gasaustrittes auf Hochtouren. Am Mittwoch wird ein Experte überprüfen, ob die Gastherme in der Hütte defekt war. Die Staatsanwaltschaft Salzburg hat noch keine Ermittlungen gegen konkrete Personen eingeleitet, wie Mediensprecher Marcus Neher am Dienstagvormittag erklärte.

Für die Ermittler stellt sich auch die Frage, ob die Gastherme möglicherweise nicht ordnungsgemäß bedient oder nicht ordnungsgemäß gewartet wurde. Für die Wartung zuständig seien die Besitzer. Falls ein fahrlässiges Handeln festgestellt werde, könnten diese zur Verantwortung gezogen werden, hieß es seitens der Polizei.

Hütte in Familienbesitz

Die alte Hütte auf dem Fanningberg steht im Besitz der Familie des 18-jährigen Lungauers, der am vergangenen Samstag zusammen mit seiner 19-jährigen Freundin aus Niederösterreich im Badezimmer tot aufgefunden wurde. "Im Prinzip ist jetzt nur die Todesursache geklärt", sagte Polizei-Sprecherin Irene Stauffer. Laut dem vorläufigen Obduktionsergebnis seien die beiden durch das Einatmen von Kohlenmonoxid erstickt. "Es wurde keine Fremdeinwirkung festgestellt." Um abzuklären ob noch andere Vergiftungsmerkmale vorliegen, hat die Staatsanwaltschaft noch ein toxikologisches Gutachten in Auftrag gegeben.

Polizei und Staatsanwaltschaft warten jetzt auf die Ermittlungsergebnisse des Sachverständigen, der die Gastherme und alle anderen technischen Einrichtungen in der Hütte untersucht. Erst dann wird der Verschuldensfrage nachgegangen - falls überhaupt der Verdacht einer Fahrlässigkeit, besteht. Der Sachverständige wird morgen, Mittwoch, die Geräte der Hütte inspizieren. Sein Gutachten und der Abschlussbericht der Polizei geht an die Staatsanwaltschaft. "Dann werden wir überprüfen, ob ein Verfahren gegen konkrete Beschuldigte einzuleiten ist", erklärte Neher.

Die Besitzer der Hütte werden noch zur Unglücksursache befragt. "Die Einvernahmen werden in den nächsten Tagen stattfinden", sagte Michael Rausch von der Landespolizeidirektion Salzburg. Man werde behutsam vorgehen, denn der Schock in der Familie sitze tief. Sollte sich dem Gutachten zufolge tatsächlich ein technischer Defekt als Unglücksursache herausstellen, würden die Ermittlungen fortgesetzt, sagte Rausch.

Wartung nicht gesetzlich vorgeschrieben

Seitens der Landesinnung der Salzburger Rauchfangkehrer hieß es, dass eine Wartung von Gasthermen gesetzlich nicht vorgeschrieben sei. In den Bedienungsanleitungen werde allerdings eine jährliche Wartung empfohlen. Die Landesinnung rät aus Sicherheitsgründen zu einer jährlichen Überprüfung der Anlagen. Es komme immer wieder vor, dass Abgase von Gasthermen nicht ordnungsgemäß abziehen, dass könne aber viele Ursachen haben, wurde betont.

"Wenn die Feuerung nicht richtig funktioniert, zieht das Gas nicht ab. Das Kohlenmonoxid riecht, schmeckt und spürt man aber nicht. Durch das Einatmen von CO geht der Sauerstoff im Blut verloren, man wird bewusstlos und stirbt", schilderte ein Rauchfangkehrermeister. Neuere Geräte seien mit einem CO-Wächter ausgestattet, der die Verbrennung und Abführung der Abgase überwache. "Erhöht sich der CO-Gehalt, schaltet der Wächter das Gerät ab." (APA, 9.7.2013)

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