Bauern: Selbermacher und Familienbande

8. Juli 2013, 10:17
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Ein historisches Projekt untersucht bäuerliche Überlebensstrategien nach dem Zweiten Weltkrieg

Wien - In Österreich trat das Bauernsterben deutlich gebremst auf. Wie es die österreichischen Landwirte schafften, dem Agrarstrukturwandel zu trotzen, analysierte ein vom Wissenschaftsfonds (FWF) gefördertes Projekt des Instituts für Geschichte des ländlichen Raumes. Vor allem große Flexibilität und der Rückgriff auf die Familie habe es vielen österreichischen Landwirten erlaubt, am freien Markt zu überleben, schildert Projektleiter Ernst Langthaler.

Selber ist billiger

So wurde etwa bei Bedarf auf innerfamiliäre - oft kostenlose oder sehr günstige - Personalressourcen zurückgegriffen, technische Geräte seien oft nicht neu, sondern aus zweiter Hand angeschafft worden. "Die mechanischen Grundkenntnisse eignete man sich gleich mit an", schilderte Langthaler. Produkte wurden häufig nicht über Dritte, sondern direkt vermarktet und verkauft. In schlechten Zeiten habe man zudem auf Nebenerwerbe zurückgreifen oder den eigenen Verbrauch stark zurückfahren können.

Zudem profitierten die Landwirte auch von über Generationen hinweg weitergegebenem Wissen und Erfahrungen. "Neben Sozialbeziehungen und dem eigenen Grund und Boden war das die wichtigste Ressource", meinte der Projektleiter.

Bergbauernhof und Winzer

Diese Antworten fanden Langthaler und sein Team vor allem in den Lebenswelten der Bauern selbst. Neben der Auswertung statistischer Daten von rund 1.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Mank und Mödling (beides NÖ) zwischen 1945 und 1985, führten sie in zehn Betrieben Interviews mit mehreren Generationen von Bauern und Bäuerinnen, deren Höfe immer noch aktiv sind, durch. Das Spektrum der genauer untersuchten Landwirtschaften reicht dabei vom Bergbauernhof bis zum spezialisierten Weinhauer. (APA, 8.7.2013)

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    Die Landwirte profitieren auch von über Generationen hinweg weitergegebenem Wissen.

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