H&M will kein Billigsdorfer ohne Gewissen sein

8. Juli 2013, 10:23
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H&M-Chef Persson will langfristig fair produzieren und schon jetzt kein gewissenloser Billigproduzent sein

Hamburg - H&M-Chef Karl-Johan Persson strebt ein Gütezeichen für fair produzierte Mode an. "Mir schwebt ein weltweit gültiges Siegel für die Branche vor, ähnlich wie das Fair-Trade-Siegel beim Kaffee", sagte Persson dem deutschen Magazin "Spiegel". Nur wer sich an definierte Standards bei Löhnen, Umwelt und sozialen Fragen halte, solle es an seine Kleidungsstücke hängen dürfen. Dann könnten die Kunden entscheiden, wo und was sie kaufen, so Persson.

Allerdings gibt es so einen Standard schon seit einigen Jahren. Er trägt den Namen GOTS (Global Organic Textile Standard).

H&M versucht laut Persson seit vielen Jahren, die Bedingungen in der Textilbranche zu verbessern, sagt Persson auf die Frage, ob man nach der Brandkatastrophe von Bangladesch mit mehr als 1.100 Toten neu über die Verantwortung des Unternehmens nachgedacht habe. H&M selbst ließ laut Persson nicht im niedergebrannten Rana-Plaza-Komplex produzieren.

Wachstum und Profit kein Widerspruch

Ohnedies sei man bemüht durch Kontrollen bei den Zulieferern, aber auch durch verstärkte Beschäftigung mit Nachaltigkeitsthemen, durch Recycling, die eigene Nachhaltigkeits-Bilanz stetig zu verbessern. Wachstum und Profitstreben stünden keineswegs mit Nachhaltigkeit im Widerspruch, betont der Konzernchef. H&M habe das Ziel, komplett faire Mode herzustellen. Es ärgere ihn, so Persson weiter, wenn H&M als "verantwortungsloser Billigheimer" dargestellt werde.

In Bangladesch versuche H&M seit vielen Jahren, die Bedingungen in der Textilbranche zu verbessern. Persson nannte etwa das Brandschutzabkommen in Bangladesch, das seine Firma als erste unterschrieben habe. Es koste dem Konzern 500.000 Dollar jährlich, laufe über fünf Jahre und schlage damit letztendlich mit 2,5 Millionen Dollar zu Buche. Das Abkommen, das Textilunternehmen und Gewerkschaften unterzeichneten, trat am Montag offiziell in Kraft. 70 Textilunternehmen hatten sich weltweit verpflichted, die Fabrikgebäude regelmäßig inspizieren und wenn nötig reparieren zu lassen. 

H&M-Aufschlag und fairer Lohn

"Ich würde sofort einen H&M-Aufschlag zahlen und hätte gern ein faires Lohnsystem für die gesamte Branche", beteuert Persson in dem Interview. In der Praxis arbeiteten jedoch die Menschen in einer Fabrik beispielsweise nur zu zehn Prozent für H&M, die übrigen 90 Prozent für andere Unternehmen. Zahle der schwedische Konzern mehr für seinen Teil der Waren, um damit höhere Löhne zu ermöglichen, "wäre das schwierig zu handhaben". (red, derStandard.at, 8.7.2013)

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    Ein T-Shirt würde in unseren Breiten zwölf Cent mehr kosten, wenn die Mindestlöhne in Bangladesch verdoppelt würden, sagen Experten.

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