Flugzeugcrash in USA: Pilot und Ausbildner unerfahren mit Boeing 777

9. Juli 2013, 08:28
302 Postings

Experten: Maschine vor Bruchlandung deutlich zu langsam - Insgesamt erfahrener Kapitän befand sich in Ausbildung für Boeing 777

San Francisco - Am Steuer der Unglücksmaschine, die am Samstag in San Francisco eine fatale Bruchlandung erlitt, befand sich nach Angaben der südkoreanischen Fluggesellschaft Asiana Airlines ein Co-Pilot, der zu Ausbildungszwecken an Bord der Boeing 777 war. Der 46-jährige Flugkapitän habe 43 Stunden Erfahrung mit diesem Flugzeugtyp absolviert, sei aber mit insgesamt mehr als 9.000 Flugstunden sehr erfahren, sagte eine Asiana-Sprecherin am Montag.

Nicht nur der Pilot war auf einem seiner ersten Einsätze auf einer Boeing 777 - auch sein Ausbildner war neu im Job. Lee Jung Min habe erst im vergangenen Monat sein Trainerdiplom erhalten und der Flug nach San Francisco sei sein erster Einsatz als Ausbildner gewesen, sagte am Dienstag eine Sprecherin der südkoreanischen Fluggesellschaft Asiana in Seoul. "Das ist nichts Unnormales. Jeder Ausbilder hat irgendwann seinen ersten Tag als Trainer." Als Pilot habe Lee schon mehr als 3.000 Flugstunden mit einer Boeing 777 gehabt, betonte die Sprecherin.

Crew wollte Landung abbrechen

Die Unglücksmaschine war ersten Erkenntnissen zufolge deutlich zu langsam auf die Landebahn zugesteuert, so dass die Piloten den Landeanflug eigentlich abbrechen wollten. Die Geschwindigkeit, mit der sich das Flugzeug der Landebahn näherte, sei signifikant unter der Richtgeschwindigkeit gelegen, teilten am Sonntag Experten mit, die die Bruchlandung vom Samstag untersuchten. Das 2006 gekaufte Flugzeug war den Angaben zufolge Anfang Juni wegen eines Öllecks an einem Triebwerk in Reparatur. Asiana-Chef Yoon Young-doo hatte am Sonntag gesagt, die Unglücksmaschine habe nach bisherigen Erkenntnissen "keine motorischen oder mechanischen Probleme" gehabt.

Deutlich zu langsam

Die Chefin der US-Behörde für Verkehrssicherheit (NTSB), Deborah Hersman, führte bei einer Pressekonferenz aus, die beiden Flugschreiber der Unglücksmaschine enthielten Aufzeichnungen in guter Qualität, so dass die NTSB-Prüfer einen vorläufigen Bericht des Unfallhergangs erstellt hätten. Da das Flugzeug zu langsam gewesen sei, sei ein Warnsignal ausgelöst worden.

Einer der Piloten habe sich daraufhin eineinhalb Sekunden vor dem Aufprall dafür ausgesprochen, doch noch nicht zu landen und die Asiana-Maschine wieder in die Luft zu bringen. Sieben Sekunden vor dem Unglück hatte einer der Piloten bereits um Erlaubnis gebeten, wieder zu beschleunigen.

Zwei Tote, zahlreiche Verletzte

Hersman hob hervor, es sei "zu früh", um aus den bisherigen Erkenntnissen Schlüsse zu ziehen. "Alle Möglichkeiten sind auf dem Tisch", sagte die Behördenchefin. NTSB-Experten sollen noch etwa eine Woche in San Francisco bleiben, um das Unglück zu untersuchen. Auf die Frage, ob ein Pilotenfehler Grund für das Unglück mit zwei Toten sei, äußerte sie sich ausweichend und verwies auf die laufenden Ermittlungen. 

Mädchen von Rettungsfahrzeug überrollt?

Bei der Bruchlandung waren zwei chinesische Teenagerinnen ums Leben gekommen. Eine der beiden wurde möglicherweise von einem Rettungsfahrzeug der Feuerwehr überrollt. Darauf deuteten ihre Verletzungen hin, sagte eine Sprecherin der Feuerwehr. "Wir untersuchen derzeit, ob die tödlichen Verletzungen von dem Absturz oder einem zweiten Unfall stammen", hieß es.

Mehr als 180 weitere Menschen wurden verletzt, acht befanden sich am Montag noch in Lebensgefahr. Zwei Personen dürften Querschnittlähmungen davontragen, sagten behandelnde Ärzte am Montag.

Viele der Patienten erlitten innere Verletzungen oder Knochenbrüche, wurde auf der Pressekonferenz berichtet. Die lebensbedrohlichen Fälle seien jene mit Schädel-Hirn-Trauma oder schweren Unterleibsblutungen. Zwei Patienten hätten zudem schwerste Hautabschürfungen erlitten. Die Patienten, die in der Lage waren zu sprechen, berichteten laut den Ärzten, sie hätten sich zum Unfallzeitpunkt im hinteren Bereich der Boeing 777 befunden. (APA, 9.7.2013)

  • Die Maschine war ersten Erkenntnissen zufolge deutlich zu langsam für das Landungsmanöver - die Piloten wollten die Landung in letzter Sekunde abbrechen.
    foto: epa

    Die Maschine war ersten Erkenntnissen zufolge deutlich zu langsam für das Landungsmanöver - die Piloten wollten die Landung in letzter Sekunde abbrechen.

Share if you care.