Der bayerische Dialekt wird so schnell nicht aussterben

7. Juli 2013, 21:35
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Der Sprachforscher Anthony Rowley gibt vor allem dem bayrischen Fluchen gute Zukunftschancen

München - Immer wieder wird vor einem Aussterben des bayerischen Dialektes gewarnt, doch der Sprachforscher Anthony Rowley sieht die Zukunft dieses Dialektes nicht ganz so schwarz. Seit Jahrzehnten arbeitet er am bayerischen Wörterbuch und er ist sich sicher: Der Dialekt ist lebendig. Vor allem auf bayrisch Fluchen hat laut Rowley gute Zukunftschancen.

"Ich habe das Gefühl, dass in Bayern der Dialekt noch eine sehr große Rolle spielt für die Identität - über alle Gesellschaftsschichten hinweg. Bayern hat den Mythos Heimat", so der Brite, der seit mehr als 20 Jahren an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München den bayerischen Dialekt erforscht.

Begriffe verschwinden

Allerdings gebt es Veränderungen. So seien die bayerischen Begriffe "Dradiwaberl" für Kreisel oder "hai" für spiegelglatt heute vom Aussterben bedroht. Dasselbe gilt für bestimmte Begriffe aus der Landwirtschaft oder alte Bezeichnungen für Lebensmittel: "Heute kauft der Bayer Karotten und baut nicht mehr Gelbe Rüben an, er kauft Kartoffeln und baut keine Erdäpfel an."

Dafür gebe es aber immer wieder neue Wortschöpfungen wie den an das Englische angelehnte "Vui-Taim-Job", das "Aufbrezeln" oder den "Reimdeiter" für den Blinker am Auto. "Die Tonfärbung des Dialektes ist auch bei neuen Wörtern immer wieder zu finden. Der bayerische Dialekt an sich scheint durchaus noch lebendig."

Dialekt wird urbaner

Allerdings hat Rowley, der seit Jahrzehnten an einem bayerischen Wörterbuch arbeitet, festgestellt, dass bestimmte Sprachfärbungen aus kleineren Dörfern verschwinden und Sprachunterschiede ausgebügelt werden: "Der Dialekt wird urbaner."

Als besonders gut schätzt Rowley die Zukunftschancen bayerischer Flüche ein. "Sprüche, die man beim Schafkopf sagt, funktionieren auf Hochdeutsch einfach nicht so gut." Der Bayer schimpfe gerne mit religiösem Bezug - "Kruzifix und Sakrament", oder mit landwirtschaftlichem - "a Hund, a Rindvieh, a Sau". "Das Schimpfen kommt so sehr aus der Seele, die Flüche werden noch bleiben, auch wenn der Dialekt ansonsten irgendwann ausgestorben sein sollte." (APA/red, derStandard.at, 07.07.2013)

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